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I. Abteilung. Abhandlungen.
erklären zu dürfen vermeinen, mit dem Aufhören der geistlichen Schul
aufsicht (Lokalschulinspektion) werde „immer mehr Weltsinn in die Schule
einziehen und Christussinn und Christusglaube immer mehr aus der
selben schwinden", vielmehr solche ganz unprotestantische Unterschätzung
des Christenstandes der Laien endlich entschieden zurückweisen und die
darin liegende Kränkung zu unterlassen bitten müssen*) —
d) weil die Ortsgeistlichen schon als Seelsorger und Diener am Wort zu
reichlicher religiös-kirchlicher Einwirkung auf die Lehrer berechtigt und in
Stand gesetzt sind. sJst es nicht widersinnig, die Hauptstütze eines
Baues dadurch verstärken zu wollen, daß man sie durch Hineintreiben
eines Keiles erschüttert? Darf man das Hauptmittel religiös-kirchlicher
Beeinflussung des Lehrers durch den Geistlichen dadurch großenteils un
wirksam machen, daß man mit der Anwendung eines veralteten Neben
mittels in das Verhältnis der beiden Männer ein Element der Ent
fremdung hineinträgt, welches um so übler wirkt, als es die Berufs
freudigkeit und die Berufsarbeit des Lehrers schädigt, während doch
gerade diese beiden letzteren Momente den Seelsorger unmittelbar dazu
auffordern, an sie sein ideales Sinnen und Trachten und Einwirken
anzuknüpfen, durch ihr von technischer Kritik ganz ungeschmälertes
Geltenlassen das Herz des Lehrers zu gewinnen, durch die völlige An
erkennung der religiös erziehlichen Mitarbeiterschaft des Lehrers als einer
in dessen Berufskreise der seinigen schlechthin koordinierten von vorne
herein die Beziehungen der Berussverwandtschaft aufzunehmen und zu
pflegen, welche dann bald von selber freundschaftlichen Charakter erhalten
und sein seelsorgerisches und sonstiges kirchliches Werben bei dem Lehrer
— namentlich auch, wenn es besonders not thun sollte — auf das
allerbeste unterstützen, und nicht nur bei dem Lehrer, sondern bei allen
i) Verkündet man nicht in denselben „hochorthodoxen" Kreisen, daß einst in rationa
listischer Zeit das echte Christentum auf den Kanzeln verloren gegangen, in den Schulen
bewahrt worden sei? daß auch heute die Geistlichen nach Hunderten zählen, deren bib
lische Gläubigkeit eine recht zweifelhafte genannt werden müsse? Warum scheut man
sich denn, hieraus die unabweisbaren Folgerungen zu ziehen? Erfordert es nicht auch
nach dieser Anschauung das intimste Interesse der Kirche, die nicht einen treuen Lehrer
in unnötig großem Maße, also am wenigsten mit Mitteln schulamtlicher Überordnung,
von einem „modernen" Geistlichen darf beeinflußen lassen wollen, diese Überordnung
allgemein aufzuheben und die „positiven" und die modernen" Pastoren zu veranlassen,
daß sie auch den Lehrern gegenüber ihre Stärke in der Seelsorge suchen? Und müssen
nicht ebenso gerade die „orthodoxesten" Glieder der Kirche wünschen, daß mindestens an
allen Orten mit nicht auf dem Boden der traditionellen Theologie stehenden Geistlichen,
d. h. in der gesetzlichen Formulierung: daß überall die Leitung des Schul-Religions-
unterrichts einem von der kirchlichen Behörde ausgewählten pädagogisch tüchtigen
älteren Geistlichen, einem Synodalinspektor, anvertraut werde?

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