Religionsunterricht und Schulaufsicht :c.
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Gemeindegliedern, die es sehen, wie der Geistliche seine Arbeit auch in
eines anderen Thätigkeit ehrt?j
7. Sie fälscht das natürliche Verhältnis der Volksschule und ihrer Lehrer
zum Staat und zur Kirche; sie läßt unberücksichtigt,
daß die heutige Volksschule zwar auch der Kirche eine wichtige Arbeit leistet,
aber doch eine Veranstaltung des Staates ist,
daß die Volksschullehrer Organe des Staates und der Kirche, zugleich
Staatsdiener und Beauftragte der Kirche sind, aber naturgemäß in ihrer amt
lichen Thätigkeit zumeist dem Staate, dem Kirchenregiment nur soweit unterstehen,
als sie Angehörige der Kirche sind und kirchliche Arbeit thun, kirchlichen Unter
richt erteilen,
daß die Volksschullehrer nicht mehr wie in früheren Jahrhunderten geistig,
so zu sagen, Geschöpfe der Geistlichen und deren als der wirklichen Schulhalter
Gehülfen sind, sondern jetzt längst einen mit reicheren Mitteln kirchlicher und
staatlicher Wissenschaft sorgsam vorgebildeten besonderen Stand bilden und als
solcher in der Volksschule, auch für den kirchlichen Arbeitsteil, an die Stelle der
Geistlichen getreten sind (die sich bei der wachsenden großen Fülle der Obliegen
heiten und der Schwierigkeiten ihres Amtes dieser geschichtlichen Entwicklung nur
freuen können und die neue, sie entlastende und dem Reiche Gottes Zehntausende
weiterer tüchtiger Arbeiter zuführende Differenzierung der Stände ebenso wenig
werden beanstanden mögen, als sie Lust haben, wieder wie vor alters die Ge
schäfte der Richter, Ärzte rc. zu übernehmen),
daß die jetzigen Volksschullehrer auf dem Boden ihrer Berufsarbeit, in ihrer
Fürsorge für die Schulkinder die Ortsgeistlichen nur als ihre Mitarbeiter, be
züglich der religiösen Unterweisung, anerkennen können und daher gleich ihnen
Anspruch auf eine nicht lokale, sondern synodale Inspektion ihres kirchlichen Unter
richts haben, das letztere um so mehr, als für den Volksschul-Religionsunterricht den
Lehrern auf Grund ihrer Vorbildung und ihrer ganzen beruflichen Thätigkeit im
allgemeinen die größere Befähigung zuzugestehen ist;
ihre Fortdauer entstammt zum Teil dem Irrtum und nährt immer wieder
den Irrtum, daß hinsichtlich der Lehre nur die Geistlichen rechte Vertreter der
kirchlichen Interessen sein könnten, und unterstützt die falsche, leider noch weithin
übliche Redeweise, die in der Erörterung der Schulaufsichtsfrage auch bei der
konfessionellen Schule von der Gefahr einer allgemeinen Trennung von Schule
und Kirche spricht, während diese Schule doch in Wirklichkeit durch die Person
des Lehrers geradezu eine Arbeiterin im Dienste der Kirche ist und in ihr un
mittelbar Schulleben und kirchliches Leben ineinander stießen, ohne daß überhaupt
ein Geistlicher die Räume derselben betritt, so daß man hier wahrheitsgemäß
von einer allgemeinen Gefahr nicht für den Einfluß der Kirche auf die Schule,
sondern für den Herrschaftseinfluß der Geistlichen auf die Lehrer reden müßte

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