Einige Gedanken von Charles Dickens über Erziehung und Bildung. 47
einem Schuhmacher in Southampton und einem Schornsteinfeger in Windsor an
gefangen, und von einem Pair des Königreichs, Lord Shaftesbury fortgeführt,
Resultate von unberechenbarer Wichtigkeit für die Gesellschaft gehabt haben. Das
Jahr 1843 war ihr erstes, nach 1871 sind sie durch die Einführung der um
fassenden Erziehungsbill vor und nach fast verschwunden. Man hat berechnet,
daß sie während dieser Zeit nicht nur dreihunderttausend Kindern eine Art von
Erziehung gegeben, sondern auch einem Drittel dieser Zahl die Mittel zu ehrlichem
Erwerb geboten haben. „Ich habe, schreibt Dickens, an Miß Coutts (eine sehr
reiche, wohlthätige Dame) einen Schmiedehammerbericht über die Lumpenschulen
geschickt und bemühte mich, ihr klar zu machen, daß religiöse Mysterien und
schwierige Glaubensbekenntnisse nicht für solche Schüler geeignet seien. Ich sagte
ihr auch, daß es von unendlicher Bedeutung sei, sie rein zu wascheu. Sie
fragt mich, wie hoch die Miete einiger großer luftiger Räumlichkeiten sich belaufen
und was die Baukosten für einen ordentlichen Bade- oder Reinigungsort sein
würden. Ich zweifle nicht, daß sie alles thun wird, worum ich sie in dieser
Sache bitte."
Im Jahre 1851 nahm er an einer öffentlichen Versammlung teil, die zum
besten sanitärer Reformen abgehalten wurde. Er sprach seine Überzeugung aus,
daß weder Erziehung noch Religion von wirklichem Nutzen für sociale Verbesse
rungen sein könnten, ehe ihrer Thätigkeit durch Reinlichkeit und Anstand der Weg
gebahnt worden. Er sprach mit Wärme von den Verdiensten Lord Shaftsburys
in Bezug auf die Lumpenschulen; aber er nahm den Fall eines armen Kindes
an, das aus den ekelhaften Orten, wo es sein Leben zubringe, in eine dieser
Schulen gelockt werde, und fragte, was einige dieser Stunden in der Schule gegen
die immer erneute Lehre eines ganzen Lebens ausrichten könnten. „Aber man
gebe ihm und den Seinigen eine Ahnung des Himmels durch etwas von seinem
Lichte und seiner Lust, man gebe ihnen Wasser, man helfe ihnen, reinlich zu sein,
man helle die schwere Atmosphäre, in welcher ihr Geist verkümmert und welche
sie zu unempfindlichen Geschöpfen macht, die sie sind, auf; man nehme den Körper
des toten Verwandten aus dem Zimmer, wo die Lebendigen bei ihm wohnen und
wo eine so ekelhafte Vertraulichkeit deu Tod selbst seiner Schrecken beraubt —
und dann, aber nicht eher, wird man sie dahin bringen, gern von dem zu hören,
dessen Gedanken so viel bei den Elenden verweilten und der Mitleid fühlte für
jeden menschlichen Schmerz." Er schloß seine Rede mit einem Trinkspruch auf
Lord Shaftesbury, der den höher« Ehrgeiz, für die Armen zu arbeiten, dem
Ehrgeiz einer Laufbahn im Staatsdienst, welcher ihm offen gestanden, vorgezogen,
und der auch bei allen Gelegenheiten „den Mut gehabt habe, dem scheinheiligen
Gerede die Spitze zu bieten, welches das schlimmste und gewöhnlichste von allem
ist, dem scheinheiligen Gerede über die Scheinheiligkeit der Philanthropie."
Im Jahre 1868 ging sein jüngster Sohn nach Australien, und der Vater
schrieb ihm damals folgenden Brief: „Ich schreibe heute diesen Brief, weil
dein Fortgehen mir sehr auf der Seele liegt, und weil ich möchte, daß du einige
Abschiedsworte von mir hättest, au welche du dann und wann in ruhigen Zeiten
denken kannst. Ich brauche dir nicht zu sagen, daß ich dich von Herzen liebe und
daß es mir im innersten Herzen wehe thut, mich von dir zu trennen. Aber die
Hälfte des Lebens besteht aus Trennungen, und diese Schmerzen müssen ertragen
werden. Es ist mein Trost und meine aufrichtige Überzeugung, daß du eine

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