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I. Abteilung. Abhandlungen.
und das kirchliche Leben in den konfessionellen Schulen ebenso wie in den Kirchen
gemeinden nur in Einzelfällen als gefährdet bezeichnen kann, wobei zu bedenken
ist, daß die Zahl der letzteren zu vermehren es kein sichereres Mittel giebt, als
durch Aufrechterhaltung der von den Lehrern notwendig als ungerecht und schä
digend empfundenen geistlichen Ortsschulinspektion die Herzen der Lehrer der Kirche
immer mehr zu entfremden.
sJn der konfessionellen Schule ist der Zusammenhang von Kirche, und
Schule doch nicht in etlichen Jnspektionsbesuchen des Ortsgeistlichen, sondern
— abgesehen von der Zugehörigkeit der Schüler zur Kirche — zu 99 /ioo Stunde
um Stunde in der Person des die Schularbeit thuenden, bezw. leitenden Lehrers
gegeben. Dieser ist das Bindeglied zwischen Kirche und Schule, der Haupt
vertreter der ersteren in der letzteren, und die Aufgabe der Kirche ist,
dieses Glied in ihrem Sinne zu stärken, d. h. den Lehrer mit
größerer kirchlicher Freudigkeit zu erfüllen. Die evangelische Kirche
kann und muß endlich so viel Vertrauen zu ihren Religionslehrern in der Volks
schule und zu sich selber, zu der von ihren Beauftragten oder Mitgliedern ihnen
bis zum 20. Lebensjahre erteilten evangelischen Unterweisung und Erziehung wie
zu ihrer Seelsorge haben, daß sie diese Lehrer aus der kränkenden und Schaden
bringenden Ausnahmestellung, in der sie die größere Zahl derselben — im
Gegensatz zu allen anderen Lehrern und Ständen — mit Hilfe des in seiner
ethischen Unselbständigkeit ihr leider willfährigen Staates noch festhält, für immer
freiläßt, daß sie den Volksschullehrern endlich die Freude der
offenen Anerkennung ihrer kirchlichen Mündigkeit macht.^s
8. Sie muß, nachdem sie jetzt durch den Staat in großen und mittleren
Städten für eine beträchtliche Anzahl von Lehrern abgestellt ist, denjenigen, die
unter ihr verbleiben, doppelt unliebsam werden, um so mehr, als sich diese mit
Recht sagen, daß jene glücklicheren Kollegen sie an kirchlicher Gesinnung nicht
übertreffen.
sDie heute unter uns übliche Aufrechterhaltung der geistlichen Ortsschul
inspektion führt in der That zu Inkonsequenzen, die man nur, je nach der
Stimmung, als bitter oder als lächerlich bezeichnen kann. Müßten nicht die
lauten protestantischen Verteidiger dieser Inspektion, wenn sie noch für die Folge
zeit hartnäckig die kirchliche schulamtliche Führung der Landlehrer fordern, mit
der gleichen Zähigkeit und viel größerer Entschiedenheit fortgesetzt die Wieder
einführung der Inspektion in die Städte verlangen? Fürwahr, die jetzige Be
handlung der Schulaufsichtsfrage innerhalb unserer Kirche verdient nichts anderes
als — — das Lächeln, mit dem die resolute ,Schwesterkirche° der Beweglichkeit
zuschaut, mit welcher der Protestantismus dem unaufhörlichen Aufundab der staat
lichen Schulpolitik zu folgen versteht. Entweder — oder! Entweder völlige
Nachahmung der einheitlichen katholischen Theorie und Praxis oder entschlossene,

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