Religionsunterricht und Schulaufsicht :c.
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ebenso völlige Durchführung des protestantischen Princips! Wir haben den leb
haften Wunsch, daß un sere kirchliche Oberbehörde ihren Zusammen
hang mit dem Staatsregiment auch dazu benutze, dem letzteren
die wahren Interessen der evangelischen Kirche in der Organi
sation der Volksschule anschaulich und nachdrücklich darzulegen^
9. Sie kann wegen der ihr anhaftenden sittlichen, religiösen, kirchlichen Be
denken auch nicht mit socialen und politischen Gründen, nicht mit einer namentlich
im Osten des Staates .traditionellen Herrschaftsgewöhnung gerechtfertigt werden;
vielmehr muß in dieser Beziehung, wiederum besonders nach dem Osten
hin, an alle Geistlichen, ohne und mit Ephoratsrang, welche die Notwendigkeit
einer religiös sittlichen Erneuerung unseres Volkes predigen, die ernste Mahnung
gerichtet werden, zur Förderung der letzteren ihrerseits auch dadurch beizutragen,
daß sie in der Wertschätzung der Volksschullehrer und ihrem Verkehr mit den
selben entschlossen ein Neues pflügen, in ihnen nicht mehr ihre Küster, sondern
ihre selbständigen und verantwortlichen Mitarbeiter zur Erzeugung religiöser und
sittlicher Werte, die Religionslehrer der Gemeinde bei der schulpflichtigen Jugend
sehen, durch dauernde öffentliche, auch von ungünstigen persönlichen Erfahrungen
nicht verringerte Anerkennung der kirchlichen Bedeutung ihres Amtes sie mit
größerer Berufsfreudigkeit, gesteigertem Verantwortlichkeitsgefühl, wärmerer Liebe
für die Kirche und ihre Einrichtungen und Unternehmungen erfüllen und die
Matten unter ihnen auf der Höhe ihres Berufes zu erhalten suchen, in diesem
Verhalten und Bestreben auch nicht vor gesellschaftlichen Schwierigkeiten und Un
zulänglichkeiten halt machen, vielmehr vor allen Gemeindegliedern, insbesondere
den hochmögenden, dem Lehreramt auch in der Person seines Trägers stets die
Ehre geben, die ihm gebührt (exempla trahunt).
10. Ihre allgemeine Beseitigung wird, wenn sie durch das freiwillige Vor
gehen Der Kirche herbeigeführt ist, — und dies würde gerade jetzt, in einer
Zeit erneuter großer Willfährigkeit der Unterrichtsbehörde bezüglich der geistlichen
Schulaufsicht, überall Glauben finden — der Kirche einen doppelten reichen Ge
winn einbringen.
Zunächst wird der freudige Dank der Lehrerschaft nicht fehlen und sich durch
die That erweisen, das Verhältnis zwischen der Geistlichkeit und der Lehrerschaft
wird alsbald ein besseres werden, zur Freude auch aller einsichtigen Laien, und die
ganze Kirche wird erkennen, mit wie großem Rechte ein Geistlicher gemahnt hat:
„In dem der Schule und den einzelnen Lehrern zu schen
kenden Vertrauen soll die Kirche eher zu weit gehen als
nicht weit genug. Das giebt gesunde, geordnete und fried
fertige Verhältnisse. Mit einer Bevormundung dagegen,
die auf alle selbständigen Naturen verstimmend einwirkt
und einwirken muß, erreicht man nichts."

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