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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Lebensweise versuchen willst, die am meisten für dich geeignet ist. Ich halte ihre
Freiheit und Wildheit deiner Natur für angemessener, als irgend ein Versuch in
einer Studierstube oder einem Bureau gewesen sein würde, und ohne eine solche
Erziehung hättest du dich keinem andern passenden Berufe widmen können. Was
dir bis jetzt immer gefehlt hat, war ein festes, beständiges Ziel. Ich ermahne
dich daher, bei dem gründlichen Entschlüsse zu beharren, daß du alles, was du
zu thun hast, so gut thust, als du kannst. Ich war nicht so alt, als du jetzt
bist, als ich mir zuerst meinen Lebensunterhalt erringen mußte und zwar aus
diesem Entschlüsse heraus, und ich habe seitdem nie darin nachgelassen. Über
vorteile nie jemanden auf gemeine Art in irgend einem Geschäft und behandele
Leute, die in deiner Gewalt sind, nie mit Härte. Versuche gegen andere zu
handeln, wie du selbst von ihnen behandelt sein möchtest, und laß dich nicht ent
mutigen, wenn sie zuweilen darin fehlgehen. Es ist besser für dich, daß sie gegen
das größte Gebot unsers Erlösers fehlen, als wenn du selbst dagegen fehltest.
Ich lege ein Neues Testament unter deine Bücher aus denselben Gründen und
mit denselben Hoffnungen, die mich veranlaßten, eine leicht verständliche Dar
stellung seiner Lehren für dich zu schreiben, als du ein kleines Kind warst. Weil
es das beste Buch ist, welches die Welt je gekannt hat oder kennen wird, und
weil es dich die besten Vorschriften lehrt, durch welche ein menschliches Wesen, das
wahr und pflichtgetreu zu sein versucht, geleitet werden kann. Als deine Brüder
einer nach dem andern fortgingen, habe ich für jeden von ihnen Worte geschrieben,
wie ich sie jetzt für dich schreibe und habe sie alle gebeten, sich durch dieses Buch
leiten zu lassen ohne Rücksicht auf menschliche Deutungen und Erfindungen. Du
wirst dich erinnern, daß du nie mit religiösen Observanzen oder bloßen Formali
täten belästigt worden bist. Ich habe immer Sorge getragen, meine Kinder nicht
durch solche Dinge zu ermüden, ehe sie alt genug waren, sich selbst Ansichten
darüber bilden zu können. Du wirst es daher um so besser verstehen, wenn ich
dir jetzt die Wahrheit und Schönheit der christlichen Religion, wie sie von Christus
selbst kam, und die Unmöglichkeit, weit vom Rechten abzuweichen, wenn du sie
demütig, aber von Herzen achtest, feierlich einzuprägen. Je mehr es uns mit
dem religiösen Gefühle ernst ist, desto weniger sind wir geneigt, darüber Reden
zu halten. Gieb nie die heilsame Gewohnheit auf, morgens und abends im
stillen für dich allein zu beten. Ich selbst habe sie nie aufgegeben, und ich
kenne ihre Tröstungen. Ich hoffe, du wirst immer in deinem spätern Leben sagen
können, daß du einen gütigen Vater gehabt hast. Du kannst deine Liebe zu ihm
nicht besser zeigen oder ihn glücklicher machen, als indem du deine Pflicht thust."

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