Kleine Chronik.
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morsen werden, die mit dein Urteil endigen kann, daß die Auslegung trotz aller
sonstigen Vortrefflichkeit für Die Schule unbrauchbar ist." Denn „der Katechismus
ist kein Syllabus eines unfehlbaren Papstes." „Wenn man zuerst bestimmt:
dieses Quantum ist aus den und den Gründen absolut notwendig oder wünschens
wert, so viel Religionöstoff muß in der Schule bewältigt werden und es dann
dem Lehrer überläßt, wie er seine Aufgabe mit seiner Zeit in Einklang bringt,
so schadet man der Sache unermeßlich; denn der ganze Religionsunterricht des
Lehrers besteht dann im Einbläuen und Einpfropfen einer großen Stoffmenge,
ein Verfahren, das nur die religiöse Oberflächlichkeit und Unwissenheit fördern
kann."
Das sind gute Worte. Hoffen wir, daß solche besseren Einsichten unter den
Geistlichen Bayerns und anderer Länder imnier mehr sich durchsetzen! Zu dieser
Hoffnung berechtigt uns in Bezug auf Bayern auch einigermaßen die maßvolle
Art, mit der die dortigen Geistlichen vergangenes Jahr wieder auf der Nürn
berger Pastoralkonferenz die heikle Frage der Schulbibel verhandelten. Der
Referent, Dekan Dietlen von Kreuzwertheim, hatte mit Berücksichtigung von
allerhand Bedenken und Vorbehalten die „Herstellung eines biblischen
Lesebuches" befürwortet und fand mit seinen Aufstellungen beim größeren
Teile der Redner Zustimmung. Auch die Herren, die sich entschieden gegen den
Vorschlag aussprachen und vor der Schulbibel als dem Wolf im Schafkteide
warnten, mußten doch schließlich einräumen, daß für den Schulgebrauch das Neue
Testament und vom Alten die Psalmen genügten (vgl. die Verhandlung der
Ravensberger Konferenz Schulblatt 1895, S. 442). Einer erklärte, mit der
Vollbibel lasse sich auch mit den gereiften Gymnasiasten nichts anfangen, und ein
anderer gab dem bekannten Worte recht: „Die Bibel ist unserm Volke
ein verschlossenes Buch." Dagegen wird freilich von anderer Seite behauptet,
„daß die Bibel für alle notwendig sei in ihrem ganzen Umfang zur Seligkeit
als ein von Gott gegebenes Buch. Prof. Caspari-Erlangen (Zezschwitz' Nach
folger) hält der Behauptung, daß unsere Kirche aus der Vollbibel erwachsen sei,
die gegenteilige entgegen, daß sie aus dem Galater- und Römerbrief erwachsen
ist, daß unsere Kirche daraus schon zu einer Zeit erwachsen ist, wo die ganze
Bibel gar nicht zugänglich war. Luther sage, daß die Kirche das ganze Wort
Gottes haben solle, die Laien aber diejenigen Bücher der heiligen Sckrift lesen
und eifrig lesen sollen, die sie für sich am nötigsten achten. Kirchenrat Schlier
gedenkt noch in schöner Weise der Not der Lehrer: „Ich möchte dringend bitten,
denken Sie an unsre Lehrer, die unsere Kinder auf dem Herzen haben; es ist
nicht wahr, daß unsere Lehrer Feinde des Christentums wären, sie wollen Hand
in Hand mit uns gehen, die Kinder erziehen und vor Gott bringen. Unsre
Lehrer wollen uns helfen und wenn uns treue, gewissenhafte Lehrer bitten, helft
uns doch, daß wir aus der Gewissensnot herauskommen, so- ist das keine dog
matische, sondern eine pädagogische Frage. Wir wollen richtige Pädagogen sein."
Freilich, ob die Thaten den guten Worten immer folgen werden. Unser
Mitarbeiter, Lehrer Starck, mußte die üble Erfahrung machen, daß sein be
scheidenes Wort zu Gunsten der Schulbibel vom haus pädagogischen Stand
punkt aus hinterher so verdreht und verschrien wurde, als wolle er die Bibel
aus den Häusern hinausweisen! R—n.
Nachtrag. Während des Drucks sind uns noch Nr. 39, 41, 45—48
des bayrischen Korrespondenzblatts zu Gesicht gekommen. Daraus ist einerseits
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