III, Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
485
zubauen wäre, noch vielfachem Widerstand. Er wird unterhalten nicht bloß von
denen, welche für die Volksschule keinen weiteren Aufwand treiben wollen, sondern
auch von starren Pädagogen (?), denen es widerstrebt. daß die Schule irgend
welche andere Zwecke verfolgen soll als die Verbreitung einiger Kenntnisse. Viel
fach beruft man sich auch darauf, daß für die Kinder, namentlich für die Mädchen,
es geradezu von Nachteil wäre, länger auf der Schulbank zu sitzen, da ihr Or
ganismus solchen körperlichen Anforderungen nicht gewachsen sei. Unserer Über
zeugung nach kann jeglicher Unterricht so gestaltet werden, daß er sanitär gänzlich
ungefährlich ist. Heute schadet er gewiß vielfach der Gesundheit und zwar nicht
bloß der Mädchen, sondern auch der Knaben, weil eben bei Feststellung des Lehr
planes viel zu wenig sanitäre Rücksichten genommen worden sind und weil eben
die einseitige geistige Ausbildung kein Gegengewicht in körperlicher Bewegung hat.
Je mehr man aus den Schulen Erziehungsanstalten macht, um so mehr wird
man den Anforderungen des kindlichen Organismus gerecht zu werden bemüht sein.
Aber unsere Überzeugung steht der Anschauung, als ob der Schulunterricht
von nachteiligem Einfluß auf die Gesundheit der Kinder sein könne, auch noch
insofern strikt entgegen, als wir die Schule gerade als einen gewissen Schutz für
die Kinder gegen Gefährdung ihrer Gesundheit ansehen: wir meinen damit ihre
Wirkung auf die gewerbliche Beschäftigung. Ein sehr bedeutender Teil der
heranwachsenden Jugend ist der Gefahr ausgesetzt, frühzeitig zur Erwerbsthätig
keit mit herangezogen zu werden und dadurch in der körperlichen Entwicklung
Schaden zu leiden. In manchen Gegenden kann inan geradezu von einer Ver
wüstung der Jugend reden; besonders wo hausindustrielle Beschäftigung vorwaltet,
werden die Kinder schon im frühesten Alter in allerlei Dienstleistungen benützt
und kommen infolge davon niemals zu einer ordentlichen Entwicklung.
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Die innere Mission in der Schule. Ein Handbuch für den Lehrer. Von Theodor
Schäfer P. Vorsteher der Diakonissen-Anstalt zu Altona. Gütersloh, Bertelsmann
1895. 286 S. Preis 2,40 M: geb. 3 M.
Der Lehrer, der darauf dringt, sich und seine Schüler zu konzentrieren und nicht
zu zerstreuen, wird einen Schrecken bekommen, wenn er wieder einen neuen Lehrgegen
stand mit dem Anspruch auf Heimatsrecht und Unterkommen in der Schule auftreten
sieht. Und auch mancher, der den Bestrebungen des praktischen Christentums durchaus
sympathisch gegenübersteht, mag sich doch gegen den Gedanken sträuben, seine Schüler
mit neuen und noch recht umfangreichen Stoffen zu belasten. Aber prüfen wir erst,
ehe wir absprechen. Es bedarf nur eines ganz gelinden Nachdenkens, um zu er
kennen, daß, wenn irgend etwas, so jedenfalls die äußere und innere Mission in den
Religio ns- sowie auch den Geschichts- und Geographie-Unterricht der Schule
hineingehört. Im Religionsunterricht sollen doch die Schüler ein Verständnis für das
bekommen, was Christentum bedeutet. Wo könnten sie das nun besser anschauen als
an den Bethätigungen lebendigen Christentums auch in der Gegenwart? Das
Wesen und die Kraft des Christentums wird ihnen nirgends eindrücklicher als durch
die Anschauung der Wirkungen, deren Thatsächlichkeit sie zum Teil selbst nachprüfen
(kontrollieren) können und unter deren Einfluß sie auch mit stehen. Dann erst gewinnt
die Behandlung der biblischen Geschichte ihre richtige satte Farbe und Lebensfülle,
wenn sie nicht als eine bloß ehemalige, in grauer Vorzeit einmal abgethane, sondern
als eine ewige, in der Geschichte des Christentums bis in die Gegenwart sich immer
neu auflegende dem Schüler zum Bewußtsein gebracht werden kann. Und was ist die
innere Mission anders als die reale Vergegenwärtigung des Wohlthuns Jesu; was

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.