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I. Abteilung. Abhandlungen.
Aus dem Nachlasse ch F. W. Dörpfelds?)
Einige Klarstellungen zu „Gewissen und Willensfreiheit".
Das Gewissen ist, wie schon der Wortklang andeutet, ein wirkliches
Wissen, nämlich das Wissen von gut und böse. Wie groß oder wie kleiu
dieses Wissen beim einzelnen Individuum sein mag, darüber sagt das Wort
„Gewissen" nichts aus. Sprechen wir einem ein Gewissen zu, so will das heißen:
er habe irgend ein Maß von Misten über gut und böse. Ist nun das Ge
wissen ein wirkliches Wissen, so kann dasselbe — gleich allem übrigen Wissen --
nicht etwas Angeborenes, sondern nur etwas Erworbenes sein, — sei
es, daß es durch Selbsterfahrung erworben wurde, also ein naturwüchsiges
ist, oder daß es durch Hülfe anderer gewonnen wurde und dann ein angebildetes
heißt. Die Gewissens a n l a g e ist etwas ganz anderes, — etwas Analoges, wie
die ästhetische und die logische Anlage. Jede dieser dreierlei Anlagen umfaßt ein
Zwiefaches: einmal die allgemeine intellektuelle Beanlagung (als Grundlage
und Voraussetzung), die bei allen dreien selbstverständlich dieselbe ist; und sodann
eine gewisse Disposition des Gemüts, die bei allen dreien eben eine verschiedene
x ) Die beiden ersten hier mitgeteilten Stücke aus dem Nachlasse Dörpfelds sind
einem umfangreichen Schreiben entnommen, das Dörpfeld an einen „lieben leidenden
Mitbruder" gerichtet hat, der ihm, wenn auch persönlich unbekannt, seine Not geklagt
und ihn um Rat gebeten hatte. Sie sind geeignet, den Vers, nicht nur als feinen
Psychologen, sondern auch als trefflichen Seelsorger erkennen zu lassen und werden den
Freunden als Beiträge zum Lebensbilde des Heimgegangenen von besonderem Werte sein.
Das dritte Stück ist einer größeren Zahl von Dispositionen entnommen, die Dörp
feld für eine spätere Ausarbeitung oder zur vorläufigen Orientierung für Freunde ent
worfen hat. Die mitgeteilte gehört zu der zweiten Gruppe. Daß ich mit der Ver
öffentlichung gerade dieser Skizze den Anfang mache, hat seinen Grund darin, daß
die Frage der Schulsparkassen längst eingehend hätte besprochen werden sollen. Ich teile
Dörpfelds Standpunkt zur Sache, möchte aber doch noch weitere Zugeständnisse machen,
als er hier gethan hat. Unser Volksleben ist krank, sehr krank, die Schule weit davon
entfernt, ihre Wirksamkeit nach gesunden pädagogischen Grundsätzen entfalten zu können.
Könnten aus diesem Stande der Dinge sich für die Beurteilung der Schulsparkasten nicht
noch andere Gesichtspunkte ergeben?
Ich möchte hier noch dringend bitten, die Schulsparkastenfrage nicht abgethan sein
lassen zu wollen. Horn.

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