52
I. Abteilung. Abhandlungen.
kann und zwar in dem Maße, als sie die richtigen Einflüsse kennt und in der
Hand hat, und die verkehrten Einflüsse fernzuhalten vermag. Summa: der Wille
ist determinierbar und mithin determiniert. Die Willensfreiheit nach ihren ver
schiedenen Stufen in dem obigen Sinne (als empirische Thatsache) bleibt dabei
unangetastet.
Der Gedanke, daß das Wollen determiniert sei, würde auch niemals Bedenken
haben erregen können, wenn man sich klar gemacht hätte, daß die sittliche
Schätzung des Wollens und Handelns und die moralische Verantwortlich
keit völlig in Geltung bleiben. Hier standen aber Irrungen aus einer mangel
haften Ethik und einer mangelhaften Psychologie im Wege. Auf diese Irrtümer
darf ich mich aber jetzt nicht einlassen, sondern muß ans die richtige Ethik und
die richtige Psychologie verweisen.
Der Ausdruck „sittliche Freiheit" bezeichnet einen specifisch-ethischen Begriff,
der ganz für sich erfaßt sein will. Er ist eine der fünf ethischen Ideen d. i. eines
der fünf ethischen Grundelemente, aus denen das Sittliche sich zusammensetzt.
Diese Idee will sagen, daß das Wollen und Handeln in Übereinstimmung sein
soll mit der sittlichen Überzeugung. So für sich allein : dabei ist aber hinzuzu
denken , daß auch die vier andern Ideen mitsprechen, mithin im Vollsinne die
sittliche Überzeugung auch wirklich eine richtige sein soll. In diesem Vollsiune
heißt dann „sittliche Freiheit", daß im Menschen nicht zweierlei Willensrichtunge»
mit einander ringen, sondern die gute Willensrichtung stets siege und schließlich
niemals mehr von der bösen gehemmt, sondern ganz frei sei. Daß diese
Freiheit für uns Menschen, wie wir dermalen uns finden, kein angeborneS,
sondern nur ein erworbenes Gut sein kann, sagt sich von selbst.
von der „Zünde wider den heiligen Geist" und dem einzigen Mittel
der psychischen Befreiung, dem Zelbstgericht.
Sie können noch immer nicht von dem Gedanken der „Sünde wider den
heiligen Geist" loskommen. Ich hatte das Kennzeichen dieser Sünde angegeben.
Wer sich dieser Sünde anklagt, der hat sie nicht begangen; denn wer sich
selbst richtet, wird nicht gerichtet werden. Wer sie wirklich begangen hat,
der bereut sie nicht, weil er sie schließlich nicht mehr erkennen kann. Das Ge
wissen ist abgestumpft — wenigstens für die Weckungs- und Erziehungsmittel des
diesseitigen Lebens. In der andern Welt wird es wohl wieder erwachen.
Angenommen, meine Hypothese, daß Sie früher oder vielleicht auch später
noch mit Zweifeln gekämpft oder tief in Unglauben gesteckt hätten, sei richtig.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.