Aus dem Nachlasse -s F. W. Dörpfelds.
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(Autzerordentl. Mittel.) 3. Einzelne Lehrer — mögen es immer
hin auch einmal mit den Schulsparkassen versuchen — zur Probe, zur näheren
Erforschung. (Versuchsstationen.)
[Übrigens dürfte sich der prüfende Blick nicht lediglich auf die erzielten Spar
summen resp. die Sparsamkeit richten; da auch noch vieles andere dabei zu be
denken ist.)
B. Bedenken. Gegengründe.
(Ziel.) 1. Ist es »ach gesunden pädagogischen Grundsätzen erlaubt (oder
gar rätlich, oder gar geboten), unter den zu erstrebenden Tugenden eine (und
zwar eine der bloß mittelbaren) herauszuheben, um dieselbe mit außer
ordentlichen Mitteln zu pflegen?
Wenn Ja — was die Vertreter der Sparkassen erst zu beweisen hätten —
dann wäre die zweite Frage zu beantworten:
2. Warum gerade diese (die Sparsamkeit)? warum nicht auch: Reinlichkeit,
Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Arbeitsamkeit, Ausdauer, Verträglichkeit, Anstand rc.?
Warum nicht auch genauere Kenntnis der Gesund heit sieh re und Ein
gewöhnung in die demgemäße Lebensweise?
Und warum nicht noch eher und eifriger eine der unmittelbaren
(absoluten) Tugenden — Liebe, (Barmherzigkeit, Gemeinsinn rc.) Rechtlichkeit,
Billigkeit, Wahrhaftigkeit, Sanftmut, Demut, Genügsamkeit — Gottvertrauen rc.?
Gesetzt aber, es ließe sich beweisen (was nicht möglich ist), daß die Spar
samkeit vor allen andern unmittelbaren und mittelbaren Tugenden auf eine extra-
ordinäre Pflege Anspruch habe, dann entstehen die weiteren Fragen:
(Mittel.) 3. Warum gerade dieses Mittel (Sparkassen)? ein Mittel,
welches die Sparsamkeit lediglich auf die Lust am Besitz pflanzt, und bei dem
von keinem tieferen Prinzip die Rede ist?
Soll die Anspornung zum Fleiße dieses Mittel legitimieren, so erinnere
ich an den Apostel Paulus, der die Anmahnung dazu motiviert: 1. daß jeder
sein eigenes Brot esse (nicht andern zur Last falle) und 2. daß „man habe, zu
geben dem Dürftigen". Die beabsichtigte Einschränkung der Genußsucht
legitimiert ebenfalls das Mittel nicht vollständig; denn die Wurzel (Lust am Besitz)
kann ebenso gut Untugenden und Unthaten erzeugen: Geiz, Neid, sich durch Un
redlichkeit oder Hazardspiel etwas erwerben wollen rc. — Überhaupt lassen sich
die inneren Wirkungen dieses Mittels (Sparkassen) nicht kontrollieren.
In den Schuljahren soll der Fleiß der Kinder sich vornehmlich darin
zeigen, daß sie im Lernen ihre Pflicht thun (und daheim den Eltern zur Hand
gehen); die Sparkassen dagegen drängen die Kinder dahin, in der Erwerbsarbeit
die löblichste Anwendung des Fleißes zu sehen, und die Schularbeit als weniger
löblich und nützlich zu betrachten.

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