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I. Abteilung. Abhandlungen.
schaft mit ihnen hinweist. Es ist ein großer Unterschied, ob der Schüler sich
beim Schreiben nur nach der leblosen, fertigen Vorschrift zu richten hat. oder nach
dem Lehrer, der ihm etwas vorschreibt, lebendig vor die Augen malt.
Es handelt sich daher für Dörpfeld beim Religionsunterricht um
nichts Geringeres als die „Einführung in den Sinn und die Gesinnung
der heiligen Schriftsteller" (H, S. 86). Die Schüler sollen „den Männern
Gottes ins Herz blicken" lernen, also Personen kennen lernen, die am ursprüng
lichsten und tiefsten die Erfahrung von ihrer Schuld und Gottes Huld gemacht
haben. Durch solchen geistigen Umgang mit diesen vorbildlichen Personen werden
die Schüler nicht nur zu einer unmittelbaren Anschauung und wissensmäßigen
Erkenntnis von dem, was christliche Religion eigentlich ist, angeleitet, sondern
viel mehr noch unwillkürlich in ähnliche Erfahrungen hineingezogen,
so daß sie wirklich sich selbst und weiter Gott selbst wahrhaft, nämlich praktisch
kennen lernen. Auf diese Weise würde eben die Sache selbst mit ihrer inneren
Überzeugungskraft und gewissenbewegenden Wahrheit die jungen Gemüter für sich
gewinnen; und eine solche innerlich dem regen Gewissen sich aufdrängende Auto
rität hat eine ganz andere Macht und Haltbarkeit als die äußere Vorschrift: Du
mußt das glauben, weil es in der Bibel steht und vertrauenswerte Leute dir das
so sagen. Damit wäre also die Normativität der heiligen Schrift auf eine festere
Basis gestellt, indem die Schüler durch die Teilnahme an dem inneren Leben der
Klassiker des heiligen Geistes von diesem Geiste selbst berührt und ergriffen werden
oder indem sie in den Strom persönlichen Glaubenslebens gestellt werden, der von
den Männern Gottes ausströmt (Joh. 4, 14; 7, 38). Denn religiöses
Leben entzündet sich nun einmal nur von Person zu Person.
Und diese große Wahrheit will Dörpfeld eben für den Religionsunterricht
wieder auf den Leuchter stellen, indem er die heiligen Schriftsteller mit den
Klassikern vergleicht. „Ist es unter den Freunden und Pflegern altklassischer
Studien jemals dauernd verkannt worden, daß es dabei gelte, die Schüler in
das griechische und römische Ethos einzutauchen, sie bei den Besten dieses Volks
tums Wohnung nehmen zu lassen, damit eben durch täglichen Verkehr ihre
Sprache, ihr Urteck, ihr Geschmack, ihre Gesinnung an der Bildung dieser Besten
sich bilde?" (II, S. 22). Zu demselben Gebrauch stehen Israels Schriftsteller
als Klassiker da — „original und darum mustergültig." „An Klassikern soll die
Jugend nicht Kritik üben lernen — auch nicht, wenn Homer einmal geschlafen
haben sollte — sondern original sehen, hören, denken, empfinden
lernen, und an diesen zumal: vertrauen, hoffen, lieben, leiden, wie
sie gethan, — und vielleicht auch, um wie sie original davon zeugen zu
können" (II, S. 22). Schon hier tritt also bei Dörpfeld, und zwar vor 30
Jahren, mit aller Bestimmtheit das ans Licht, was in neuester Zeit bei den
Theologen, den konservativen sowohl wie den „modernen" so eifrig betont wird,

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