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I. Abteilung. Abhandlungen.
Endlich: ein würdigeres und erziehlich einträglicheres Antidoton gegen die
Genußsucht und eine Anspornung zur Arbeitsamkeit ist die Pflege der Barm
herzigkeit und des opferwilligen Gem ei u s iu n e s. Man animiere daher die
Kinder (durch Unterricht und Anmahnung) von ihren Ersparnissen auch zu wohl
thätigen und gemeinnützigen Zwecken etwas zu verwenden: für Blinden-, Taub
stummen-, Blödsinnigen- rc. Anstalten, für patriotische Zwecke, für die Heiden
mission k. (Siehe oben St. Pauli Ansspruch.)
4. Eine besondere Erwägung verlangt dieser Punkt (das Mittel) noch,
insofern an Schu l-Sparkassen gedacht wird und somit der Lehrer seine Zeit
und Kraft dafür hergeben soll, — und endlich noch: ob diese Schulsparkassen
allgemein (gleichsam obligatorisch) sein sollen.
In betreff des Lehrers nur zwei Bemerkungen. Erstlich darf die Spar-
veranstaltung nur da geschehen, wo das Thun und Verhalten des Kindes genau
kontrolliert werden kann, also in der Familie. Znm andern kommt in Frage,
ob der Lehrer seine Gabe (Lehrkraft) nicht nützlicher für die Jugend anwenden
kann als bei diesem Geldgeschäft. Mich dünkt, wenn er die betr. Zeit dazu ver
wendet, um einerseits den schwächeren Schülern nachzuhelfen und andrerseits den
eifrigen in ihrem Neigungsfache (Zeichnen, Rechnen rc.) vorwärts zu helfen, dann
leistet er fruchtbarere Freiwilligkeits-Dienste. Vgl. Apg. 6, 2.
Ein besonderes Licht fällt noch auf die Schulsparkassen, wenn man
(historisch) 5. ihre Herkunft in Erwägung zieht. Sie stammen aus
Belgien, und haben sich von da über Frankreich, England, Amerika, Dänemark,
Schweden rc. fortgepflanzt.
Nun muß man sich an zweierlei erinnern, worin die Heimatländer der
Schulsparkassen sich zu ihrem Nachteil von Deutschland unterscheiden:
Erstlich ist dort bisher die Schulbildung der untern Stände vernachlässigt
worden.
Zum andern — hat dort das pädagogische Denken noch keine wissenschaftliche
Durcharbeitung und Zusammenfassung gefunden (vgl. d. did. Mat. 3. Aufl. S. 49 f.).
Daraus sind zwei charakteristische Folgen entstanden:
Einmal läßt sich auf die vernachlässigten Volksschichten nur durch außer
ordentliche, forcierte Mittel wirken; und
zum andern sind diese Mittel fast immer mit Einseitigkeit behaftet.
So erklären sich auf englischem und amerikanischem Boden im religiösen
Gebiete die methodistischen Bestrebungen, die Revivals rc., desgleichen die sog.
Sonntagsschulen rc.; so auf romanischem Boden (Frankreich, Belgien, Italien),
wo das religiös-kirchliche Leben brach liegt, die Ehrgeizaufstachelungen
(durch Prämien, theatr. Schauprüfungen rc.) in den Schulen.
Kurz: der Charakter jener Bestrebungen ist das Außerordentliche —
anstatt des Ordnungsmäßigen, das Methodistische — anstatt des Methodischen,

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