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I. Abteilung. Abhandlungen.
Augbraue, Augenbraue, Augenbraune, der Haarstreifen über dem Auge.
Man findet mitunter die Form Augenbtan. Ahd. ongdravva, mhd. ongedra.
Man läßt zuweilen „Augen" fort und benutzt bloß Braue. Kluge meint, dies
alte Wort sei verwandt mit Brücke; andere fassen die Braue als den schützen
den und zierenden Zaun oder Rand der Augen. Sie denken dabei an die Wörter
Gebräme und verbrämen. Ein Kleid am Rande niit Seide, Pelz verbrämt.
11. Das Gesicht, Angesicht, Antlitz.
Das Wort Gesicht, ahd. gasiht, mhd. gesiht und gesihte war noch
im 16. Jahrhundert weiblich. Es bezeichnete früher das Sehvermögen, den
Gesichtssinn. Er hat ein gutes, ein schwaches Gesicht. Wenn mich mein Gesicht
nicht betrügt. Das Gesicht verlieren. Ferner bedeutet es Anblick, den Zustand
des Sehens: Es kommt etwas zu Gesicht, vors Gesicht; etwas aus dem Gesicht
verlieren. Dann ist es auch Erscheinung: Sie merkten, daß Zacharias ein Ge
sicht gesehen hatte. In diesem Falle ist der Plural Gesichte: Eure Jünglinge
sollen Gesichte sehen. Für unsere Betrachtung gilt die Bedeutung: Vorderseite
des menschlichen Kopfes. In dieser Bedeutung ist es jünger als Angesicht. Ein
hübsches, blühendes, altes Gesicht. Ins Gesicht sehen. Das Blut stieg ihm ins
Gesicht. Ein langes Gesicht machen. Ins Gesicht sagen. Gesichter schneiden.
Ein schiefes Gesicht machen. Ein Milchgesicht ist ein Gesicht weiß wie Milch und
der Träger eines solchen.
Das Angesicht, früher weiblich, wie wir noch „die" Ansicht sagen; später
wurde das Wort sächlich. Es bezeichnet zunächst das Ansehen, das Anblicken,
den Anblick. Er meidet mein Angesicht, will nicht von mir gesehen werden.
Adam versteckte sich vor dem Angesicht Gottes. Wir stehen hier im Angesicht
(angesichts) des Vaterlandes. Dann aber bedeutet es auch Antlitz, wie es sich
schauen läßt. Joseph war hübsch von Angesicht. Im Schweiße des Angesichts
sollst du dein Brot essen. Einen von Angesicht kennen. Er machte ein zu
saures Angesicht.
Antlitz ist ein altes Wort. Ahd. antluzi, antlutti, mhd. antlütze, ant-
litze. Antlitz ist die dem Blicke zugekehrte Seite des Kopfes. Heute klingt uns
Antlitz feierlicher und poetischer als Angesicht oder Gesicht, und wenn beides gesagt
werden kann, „auf sein Antlitz oder Angesicht niederfallen", würde beim Waschen
fast nur zulässig sein: Angesicht oder Gesicht. Und in dem glatten See weiden
ihr Antlitz alle Gestirne (Goethe).
Verbindungen: Gesichtsausdruck, -bildung, -zug, -färbe, -kreis, -pnnkt,
Gesichtswinkel.
12. Die Stirn.
Statt dieses Wortes gebrauchte man ahd. andi, endi und andin, endin,
was sich noch in Antlitz erhalten hat. Das Wort Stirn geht den übrigen ger-

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