Die deutsche Benennung des menschlichen Körpers und seiner^Teile. 65
manischen Sprachen ganz ab. Es tauchte seit dem 12. Jahrhundert als stirna,
später Stirne auf, in Bayern sagt man auch wohl Gestirn. Stirne bedeutet
eigentlich die Breite, die Fläche. Das Wort ist verwandt mit Stern (die am
Himmel ausgebreiteten, hiugestreuten), mit Strand (eine ausgebreitete, sich als
breiter Streifen hinziehende Fläche) und auch mit streuen, breit hinwerfen. Aber
auch Stroh und Streu, gehören hierher.
Die Stirn runzeln. Es steht ihm an der Stirn geschrieben. Eine freche
Stirn haben. Er hatte die Stirn, mir dies zu sagen. Eine eiserne, umwölkte,
heitere Stirn. Einem (einer Gefahr) die Stirn bieten. Dem Feind die Stirne
bieten, thät er (Zielen) wohl fünfzigmal. Die Stirn wird bekränzt.
Zusammensetzungen: Stirnader, Stirnbinde, Stirn-(Stern-)rad.
13. Die Schläft.
Es ist die dünnste Schädelstelle neben dem Auge, ndl. slaap. Vor alten
Zeiten sagte man ahd. dunwangi, mhd. tunewenge, und auch jetzt noch nd.
dunninge, dunnje, dünnege. Schläfe ist eigentlich Plural zu Schlaf. Schläfe
steht in Verbindung mit ahd. slefan, nachlassen, in Ruhe kommen, wovon schlaff,
d. i. lässig, gebrechlich stammt, sowie auch die Wörter schlafen und erschlaffen.
Somit bedeutet Schläfe die dünnste und schwächste Stelle der Hirnschale. Der
Knochen an der Stelle hieß auch wohl släfbein, schwacher Knochen, was ganz
mit dunwangi übereinstimmt.
Verwandte: schläfrig, Schläfer, schläfern, einschläfern; schlapp, schlaff, die
Schlappe (ein Verlust, eine Schädigung). Im Niederd. heißen weiche Pantoffeln
auch Schlappen.
Dem Sieger wurde die Schläfe bekränzt.
14. Die Nase.
Das Werkzeug des Geruchs. Ein uraltes, weit verbreitetes Wort. Ahd.
nasa, mhd. nase. Abgeleitet ist nasig oder näsig, z. B. hochnäsig. Durch die
Nase sprechen: näseln. Naseweis bedeutete früher „mit feinem Geruch begabt",
spürnasig, so wie man von Leuten spricht, die eine „feine" Nase haben. Damals
war es ein feines Lob für einen Jagdhund, wenn man von ihm sagte, er sei
naseweis. Heutzutage ist bekanntlich der Sinn ein tadelnder. Vom Hunde ist
auf den Menschen der Ausdruck übertragen „der Nase nachgehen", einer auf-
gefundenen Spur folgen.
Das Wort findet sich in vielen Redewendungen. Wer nur das Gegen
wärtige bemerkt, sieht nur so weit, als ihm die Nase geht; man muß aber
weiter sehen, als die Nase reicht. Lange Nase und spitzes Kinn, da sitzt der
Satan leibhaftig drin (Simrock). — Seine purpurrote Nase zeigt Bekanntschaft
mit dem Glase (Langbein). Er hat eine dünne, feine Nase, ist scharfsinnig. Es
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