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II Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
Die 20. Hauptversammlung des Vereins für Herbartische
Pädagogik in Rheinland und Westfalen.
Es war eine stattliche Versammlung, die sich am 28. Dezember vorigen
Jahres in Barmen im Ev. Vereinshause zusammengefunden hatte. Die Be
ratungen begannen um 10 Uhr morgens. Da Herr Rektor Horn am Er
scheinen verhindert war, so führte der zweite Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Foltz
aus Barmen, den Vorsitz. Erster Gegenstand der Tagesordnung war eine Ab
handlung des Mittelschullehrers Fick aus Elberfeld „Ü ber A ufinerks a mke it."
Wir geben aus der umfangreichen Arbeit, die in der Einladungsschrift 69 Seiten
umfaßt, die Hauptgedanken wieder.
Aufmerksamkeit, ganz allgemein gefaßt, ist die Richtung des Geistes auf einen
Gegenstand, einen Vorgang, einen Gedanken oder eine Gedankenreihe. Diese Defini
tion ist ungenügend, denn über das eigentliche Wesen der Aufmerksamkeit giebt
sie uns keinen Aufschluß. Es knüpft sich daran sofort eine weitere Frage: Was
giebt denn dem Geiste diese Richtung? Ist es etwas in ihm selbst Liegendes,
etwa ein Trieb, ein Gefühl, der Wille? Oder wird die Aufmerksamkeit her
vorgerufen durch ihren Gegenstand? Oder sind vielleicht beide Faktoren bei ihrem
Zustandekommen beteiligt?
Die Erfahrung belehrt uns, daß die Aufmerksamkeit bald durch den
Willen herbeigeführt wird, bald ohne Mitwirkung des Willens zustande
kommt. Es giebt Dinge, die unser Sinnen und Denken, selbst gegen unsern
Willen, gefangen nehmen, so daß wir garnicht davon loskommen können: Unsere
Aufmerksamkeit wird von ihnen, wie man treffend und anschaulich sagt, gefesselt.
Andere Dinge lassen uns glcichgiltig. Gleichwohl können auch sie Gegenstand
unsrer Aufmerksamkeit werden. Aber nicht die Dinge sind es hier, die unsre
Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern wir wenden die Aufmerksam
keit den Dingen zu. Nach dem Grunde ihres Entstehens müssen wir also
eine willkürliche und eine unwillkürliche Aufmerksamkeit unterscheiden.
Fassen wir zunächst die unwillkürliche Aufmerksamkeit und ihre psychi
schen Bedingungen ins Auge. Unser gesamtes Geistesleben ruht auf sinnlicher
Grundlage. Empfindungen und Vorstellungen sind die ersten Erzeugnisse seelischer
Thätigkeit. Beim neugebornen Kinde ist ihre Zahl noch gering. Sie nimmt
aber rasch zu. Von Tag zu Tag wird der Seeleninhalt größer und mannig
faltiger. Von der zahllosen Menge der Vorstellungen, die sich der Mensch im
Verlaufe seines Lebens erwirbt, steht jedoch nur ein verschwindend kleiner Teil
gleichzeitig in seinem Bewußtsein. Man bezeichnet diese Thatsache als „Enge des
Bewußtseins." Die Erfahrung lehrt, daß die Größe des Bewußtseinsraumes
nicht nur bei verschiedenen Mischen, sondern auch bei demselben Individuum zu
verschiedenen Zeiten sehr verschieden ist. Worin liegt der Grund dieser Be
wußtseinsunterschiede ?
Was die Verschiedenheit der' Größe des Bewußtseinsraums bei verschiedenen
Menschen anlangt, so genügt ein einfacher Hinweis auf die verschiedene geistige

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