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Dörpfeld und die religiösen Klassiker.
es komme bei der Religionslehre und Predigt nicht sowohl ans Weitergeben der
Überlieferung, auf das „Referieren", wie Prof. Crem er sagt (von Dörpfeld
„Speditionsgeschäft" genannt), sondern auf das Zeugnis von Selbstgeschautem
und Selbsterlebtem an. Die Lehrer sollen nicht bloße Referenten, sondern Zeu
gen sein und also befähigt, die Schüler zu Zeugen vom Worte des Lebens zu
erziehen.
3. Gegensatz gegen den herkömmlichen Katechismusuntcrricht.
Mit diesem Grundsätze, der konkrete persönliche Unterweisung durch Ver
setzung in den geistigen Umgang mit religiös vorbildlichen Personen fordert, ist
natürlich ein scharfer Gegensatz zu dem Unterrichtsbetriebe gegeben, der das Wesen
des Religionsunterrichts in die Erläuterung des Katechismus setzt und den vor
bereitenden Anschauungsunterricht der biblischen Geschichte nur eben als Vor
bereitung gelten läßt und von demselben eigentlich nur die Sammlung willkom
mener Illustrationen zu den Lehrsätzen zu benutzen versteht. Dörpfelds Wür
digung dieses immer noch in so hohem Ansehen stehenden katechetischen Verfahrens
läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Israels klassische Schrift
steller von Moses bis auf St. Johannes ■— das sind die reli
giösen Klassiker aller Völker und Zeiten. Was heißt das? —
Es heißt: Fort mit Pinsel und Flederwisch, — eine Wurfschaufel her, um eine
alte Tenne zu fegen — eine Geißel, um das pädagogische Heiligtum zu reinigen
von den toten Werken katechetischer Gerechtigkeit und von allem, was sich an die
Stelle der von Gott bestellten Volkslehrer gesetzt hat! Da sitzen die Kindlein zu
den Füßen pädagogischer Männlein, um sich von ihnen groß katechisieren zu lassen,
während die Männer, welche der Geist des Herrn groß gezogen hat, damit an
ihnen die Menschenkinder zum Maß der vollkommenen Mannesgestalt Christi
emporwachsen möchten, bescheiden in der Ecke stehen müssen, vielleicht nur je und
daun ein abgebrochenes Wort mitsprechen dürfen, falls sie überhaupt noch ge
würdigt sind, die Schwelle des modernen Pädagogiums zu überschreiten. Wann
wird der Herr einmal einen Mann aus der Wüste herrufen, der diesem Ge
schlecht . . . vernehmlich genug zu reden weiß, zu bekehren tite rechtgläubigen
Väter zu dem recht gläubigen Kindersinn und die Ungläubigen zu der Klugheit
der Gerechten, daß wir Buße thun von allen toten Werken philosophischer, päda
gogischer, kirchlicher und katechetischer Selbstgerechtigkeit?" (II, S. 21 f.).
Und gerade hier tritt es uns so recht packend entgegen, was Dörpfeld mit
der Bezugnahme auf die weltlichen Klassiker eigentlich im Sinne hatte: „Es hat
ja wunderliche Käuze unter den Philologen gegeben wie allerwärts; aber ist einer *
unter diesen jemals auf den Gedanken gefallen, behufs Mitteilung altklassischer
Bildung einen Katechismus des griechisch-römischen Ethos und der
Klassicität anzufertigen, mit den Schülern in die Länge und Breite durch-

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