Eine Stimme aus Süddeutschland über Dörpfelds Schulverfassungstheorie. 79
die Selbstfragen der Schüler hervorgehoben, weil dadurch dem Lehrer die beste
Gelegenheit geboten werde, zu erfahren, wie es in den Kinderköpfen aussehe.
Gegen fünf Uhr wurde die Diskussion geschlossen. Der Kassierer führte
noch Klage darüber, daß viele Mitglieder mit der Einsendung der Beiträge sehr
säumig seien. Die Versammlung faßte den Beschluß, Mitglieder, die drei Jahre
mit dem Beitrage im Rückstände blieben, aus der Liste des Vereins zu streichen.
Den Schluß der Tagesordnung bildete die Neuwahl des Vorstandes. Die
Herren Foltz und Box erklärten eine Wiederwahl nicht annehmen zu wollen. Es
wurden nun folgende Herren gewählt, bezw. wiedergewählt: Rektor Horn zum
ersten, Da ms (Elberfeld) zum zweiten Vorsitzenden, Lomberg und Fick (Elber
feld) zu Schriftführern, Vogelfang (Barmen) zum Kassierer.
Die Mitgliederzahl des Vereins ist im Laufe des letzten Jahres auf 530
gestiegen.
Eine Stimme aus Süddeutschland über Dörpfelds
Schulverfassungstheorie.
Das früher von Prof. Dr. Kolbe, seit dessen Tode von Gymnasialdirektor
Prof. Dr. Schädel in Offenbach herausgegebene „Evangelische Monats-
blatt für die Erziehung in Schule, Haus und Kirche" bringt in
Nr. 2 und 3 des Jahrganges 1894 einen Aufsatz von Gymnasialdirektor Prof. Dr.
Fischer in Wiesbaden: „Ein Schulgesetz auf den Grundlagen der
Gewissensfreiheit und Selbstverwaltung." Der Verfasser repro
duziert darin die Hauptgedanken der Dörpfeldschen Schulverfassungstheorie, zu der
er sich durchweg zustimmend verhält. Er betont dabei ausdrücklich, daß er, ob
wohl ein geborener Süddeutscher von ganz anderm Lebens- und Bildungsgang,
unabhängig von Dörpfeld, noch ehe er diesen gekannt habe, zu denselben Prin
cipien gelangt sei, was von vornherein für deren Richtigkeit spreche. „In den
drei Jahrzehnten, in denen ich mich an» öffentlichen Leben beteiligt habe, sah ich
mich auch in der Schulpolitik im Gegensatz zu den bestehenden Parteien. Zwar
war und bin auch ich der Meinung, daß die konfessionelle Schule auch vom päda
gogischen Standpunkt gefordert werden muß, aber es ist doch eine offenkundige
Thatsache, daß es eine nicht geringe Anzahl Männer und Sachkundige gab und
giebt, deren Überzeugung die Simultanschule fordert. Da die beiderseitigen Gründe
diskutabel bleiben, jedenfalls nicht von der Art sind, daß man durch sie die eine
oder andere Schulart als die allein richtige verstandesmäßig dem entsprechenden
Gegner aufnötigen könnte, weil diese ganze Frage auch eine Gewissensfrage ist,
so muß mau diese Thatsachen anerkennen. Weder die konservative noch die libe
rale Partei thun dies aber, vielmehr haben beide da, wo sie die Gesetzgebung
thatsächlich in der Hand haben, den Gegnern die ihnen verhaßte Schulart auf
genötigt, bezw. sie bekennen sich offen zu dem Bestreben dies zu thun. Wo bleibt
denn da die Gewissensfreiheit, in deren Namen die Parteien, die Staatsmänner
zu handeln glauben oder doch angeben?" Das einzige Mittel, die Gewissens
freiheit auch in Erziehungssachen sicher zu stellen, ist eine Schulverfassung im
Sinne Dörpfelds, über die sich dann der Vers, des weiteren verbreitet. Hervor
gehoben zu werden verdienen noch die Bemerkungen über die Bedeutung der
Schulgemeindeorganisation für den Lehrerstand. „Dörpfeld — heißt es S. 66 —

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