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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
hebt mit Recht hervor, daß eine solche Organisation auch die wirksamste ist für
die Hebung der ökonomischen Lage, sowie der Amts- und Standesrechte der Lehrer.
Ein moderner Strafrechtslehrer hat einmal gesagt: Deklassiert einen Menschen
und ihr liefert ihn dem Verbrechen aus; man könnte auch sagen: Nehmt ihm
den gesellschaftlichen Halt und ihr bringt ihn zu Fall, lehrt ihn, daß er keiner
Achtung mehr begegnet und keine Selbstschätzung mehr verdient, und er wird
einer der elendesten aller Menschen, bis er der verdorbenste und ehrloseste aller
geworden ist. Man hört soviel über krankhaftes Selbstgefühl der Lehrer reden,
man möge sich doch einmal besinnen — diese Klage als berechtigt zugegeben —
woher das Krankhafte wohl kommt. — Zunächst gebe man dem Lehrer einmal
die Amtsrechte, die ihm zukommen, die Leitung der Schule, die dem Ortslehrer
(der freilich ein gereifter Mann sein muß), bezw. dem Hauptlehrer, nicht aber
einem sogen. Lokalschulinspektor zukommt. Man gebe ihm nicht bloß Dienstalters
zulagen, die nur erlebt zu werden brauchen, sondern eine Dienststufenfolge oder
Carriere mit angemessener Besoldung: 1. Hilfslehrer (provisorisch, erste Prüfung
Vorbedingung), 2. Klassenlehrer (zweite Prüfung Bedingung), 3. Ortslehrer
(selbständig an einklassigen Schulen), 4. erste Klassenlehrer, 5. Hauptlehrer. Jede
Stufe hat ein Grundgehalt, innerhalb derselben erfolgt die Steigung des Ge
halts nach dem Dienstaller rc. In alle Schulaufsichtsämter müssen sie aufrücken
können. So wird auch endlich den Sachverständigen Zutritt zu den Ämtern,
deren Mark Sachkenntnis ist; daß der technische Faktor an den Universitäten be
züglich der Pädagogik allein noch keine Anerkennung gefunden hat, wird seit einem
halben Jahrhundert noch immer erfolglos beklagt. Soweit die Pädagogik bis
jetzt an den Universitäten zu Wort gekommeu ist, war sie ein Partikelchen der
Philosophie."
Die Arbeit Fischers ist ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die Schul
verfassungsgedanken Dörpfelds doch allmählich sich Bahn brechen. Bemerkenswert
ist insbesondere, daß ein Gymnasialdirektor es ist, der hier mit solcher Wärme
dafür eintritt, also ein Mann, der durch feinen Beruf einem Lebenskreise an
gehört, in dem man sich sonst um die Volksschule wenig oder gar nicht zu be
kümmern pflegt. Möchten seine Worte nicht ungehört verhallen.
E. F.
Die Herbartsche Pädagogik in Holland.
Durch die nachfolgendeu -Mitteilungen über den Stand der Herbartschen Päda
gogik in Holland möchte ich den Lesern des Ev. Schulblattes in erster Linie zeigen,
wie Dörpfelds Name anch in den Niederlanden mit Ehren genannt wird und wie
seine Schriften wesentlich dazu beigetrageu haben, die Holländer mit der Päda
gogik Herbarts bekannt zu machen. Auch dieser Bericht bezeugt es dann, wie
mancher andere, daß Dörpfelo „eine weit über die Grenzen seiner engeren Heimat
hinausreichende Bedeutung gewonnen hat."
Vor einigen Jahren teilte ich bereits mit, daß Herr de Raas, damals
Seminarlehrer in Herzogenbusch, jetzt Oberlehrer am Seminar in Nimwegen,
Dörpfelds „Denken und Gedächtnis" ins Holländische übersetzt habe und daß er
eifrig bemüht sei, Herbart-Zillerschen und Dörpfeldschen Gedanken bei seinen Lands
leuten immermehr Eingang zu verschaffen. Die rege Arbeit, die de Raaf und

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