82 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Übersicht über die Seelenlehre giebt, so ist dos Erscheinen einer Schrift, die nur
einen Teil oder einige Punkte dieser Wissenschaft in eingehender Weise behandelt,
eine noch größere Seltenheit. Mit großem Vergnügen und steigendem Interesse
habe ich das Werk des Herrn Dörpfeld gelesen. Die Bedeutung des in dem
Buche behandelten Stoffes, die klare Auseinandersetzung, die überzeugende Beweis
führung, die wir überall antreffen, alles das giebt dem Werke ein Recht auf
einen Ehrenplatz in unserer pädagogischen Litteratur." Die Holländer haben
früher schon manche deutsche Seelenlehre in ihre Sprache übersetzt, so die von
Campe, Beneke, Dittes, Rob. Zimmermann und Drbal; daneben findet man ver
schiedene Übersetzungen englischer und französicher Werke. Sie besitzen ferner ein
gutes größeres Originalwerk, die Seelenlehrc von Professor van der Wijck in
Utrecht, das aber bis heute leider unvollständig geblieben ist. Sie haben außer
dem für den Anfangs- und den Selbstunterricht ein ausgezeichnetes Lehrbuch von
de Raas. In diesem Buche, das vor kurzem in sechster Auflage erschienen ist,
sind die Gesetze der Seelenlehre aus einem reichen Anschauungsmaterial entwickelt
und auf die Schulpraxis angewandt. Jedem Abschnitt ist eine Reihe von Wieder-
holungs- und Anwendungsfragen angefügt. Das Buch eignet sich deshalb ganz
besonders zur Einführung in die Seelenlehre. Die in demselben befolgte Methode
ist ein Muster für die Behandlung einer jeden Sache, die empirischer Art ist. In
der Anordnung des Stoffes weicht de Raas von dem sonst in Lehrbüchern der
Seelenlehre üblichen Gange ab. Während man gewöhnlich Vorstellen, Fühlen
und Wollen nacheinander behandelt findet, sieht man dieselben hier zu einem ein
heitlichen Ganzen ineinander gefügt, um den Schüler den kausalen Zusammenhang
zwischen den einzelnen Bewußtseinsformen klarer erkennen zu lassen. Es werden
zuerst behandelt die sinnliche Wirkung des Geistes, das sinnliche Gefühl und das
sinnliche Begehren, darnach die mechanische Bewegung und Verbindung der Vor
stellungen und deren Einfluß auf das Gemütsleben. (Über de Raafs Seelenlehre
siehe noch H. Wendt, Ein gutes Buch aus Holland. Einladungsschrift zur
16. Hauptversammlung des Vereins für Herbartsche Pädagogik in Rheinland und
Westfalen.) Sodann sei noch bemerkt, daß das Buch demnächst auch in deutscher
Bearbeitung erscheinen wird. Eigentliche psychologisch-pädagogische Monographien
haben die Holländer erst aus der Herbartscheu Schule erhalten. Die Schriften,
die bei uns mit zu deu vorzüglichsten gehören, sind nun auch in holländischer
Sprache erschienen. Aus „Denken und Gedächtnis," welches 1887 erschien,
folgten im Jahre 1893 Wigets formale Stufen und im vorigen Jahre Langes
Apperzeption, welche beide von Hauptlehrer Deelman in Amsterdam übersetzt
worden sind. Bei der Bearbeitung des Wigetschen Buches hat er auch Dörpfelds
Schrift über den didaktischen Materialismus benutzt. Er rühmt von beiden Werken,
daß sie sich durch Deutlichkeit und Anschaulichkeit ganz besonders auszeichnen.
Deelman und de Raas haben, um mehr mit der herrschenden Praxis in Über
einstimmung zu bleiben, in ihren Schriften wie Dörpfeld und Wiget nur drei
formale Stufen angenommen. Von den genannten Monographien hat besonders
„Denken und Gedächtnis" unter den holländischen Lehrern ein größeres Interesse
zusammen finden. Sollte sich auch hier eine gesunde Pädagogik in ihrer versöhnenden
Macht zeigen? Das heißt hier u. a.: Sollte sie zu der Anerkennung geführt haben,
daß die Verschiedenheit der Eltern in Bezug auf das Erziehungsziel mit Notwendigkeit
zu verschiedenen Schuleinrichtungen führt und daß trotz aller Verschiedenheit in den Zielen
es eine Menge gemeinsamer Aufgaben zu erledigen gilt? Horn

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