84
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
lehrerprüfuug diene» will, eine knappe, aber treffliche Übersicht über die Ethik
Herbarts. Daß de Raas auch ein tüchtiger praktischer Schulmann ist, zeigen seine
trefflichen Arbeiten für den Muttersprachunterricht, seine Fibeln, Lese- und Sprach-
bücher. Dem ersten Leseunterricht hat er zehn Normalsätze zu Grunde gelegt,
weiter bilden Lesestücke, die sich an den Sachunterricht anschließen, den Mittelpunkt
des Sprachunterrichts und den Ausgangspunkt für grammatische, stilistische und
orthographische Übungen. Mehrmals hat er sich energisch dafür ausgesprochen,
daß der Unterricht in der Muttersprache sich an den Sachunterricht anschließen
müsse, daß alle Zweige desselben sich um den Leseunterricht konzentrieren müssen
und daß es unpädagogisch sei, einen selbständigen systematischen Grammatikunter
richt zu erteilen. Als Seminarlehrer hat er sich besonders um den Unterricht in
der Pädagogik, speciell der Seelenlehre, verdient gemacht. Auch hat er sich eifrig
bemüht, die holländische Lehrerbildung umzugestalten und vom Lehrerstande na
mentlich in der Pädagogik und der Ethik mehr zu verlangen, als in Holland
bisher geschieht. In ähnlicher Weise ist auch Herr Geluk bestrebt gewesen, seine
Landsleute in die Herbartsche Pädagogik einzuführen. Er veröffentlichte zu An
fang der achtziger Jahre in „Vs Lebooldode" eine Reihe von Artikeln über
Herbarts Pädagogik, welche 1885 in erweiterter Form als Buch erschienen. Für
eine andere pädagogische Zeitschrift schrieb er mehrere Aufsätze über die Sittenlehre
Jesu (nach Flügel) und Lehrproben nach den formalen Stufen. Einen geachteten
Namen erwarb er sich ferner durch die Herausgabe einer großen Encyklopädie der
Erziehung und des Unterrichts. In Anerkennung der Verdienste de Raafs und
Geluks um die holländische Volksschule hat der Niederländische Lehrerverein beide
Herren zu seinen Ehrenmitgliedern ernannt. Nachdem de Raas und Geluk in
der hier angedeuteten Weise schon jahrelang thätig gewesen waren, haben sie sich
vereinigt und eine Zeitschrift zur Beförderung des Studiums der Pädagogik
(Nieuw Tijdscbrift ter bevordering van de Studie der pädagogiek) ins
Leben gerufen, um durch dieselbe noch nachhaltiger für die Ausbreitung der neuen
Ideen wirken zu können. In dieser Zeitschrift, von der bisher fünf Jahrgänge
erschienen sind, ist für alle Bestrebungen, die Lehren Herbarts und seiner Schüler
zu verbreiten und auf die holländischen Schulverhältnisse anzuwenden, ein geeigneter
Mittelpunkt geschaffen.
Gerade durch dieses eigene Organ hat die Herbartsche Pädagogik festen Fuß
in Holland gefaßt und mit der sich stets mehrenden Anhängerschaft auch allmählich
einen umgestaltenden Einfluß auf die bisherige Schulpraxis gewonnen. Das stetige
Wachsen des Blattes nach innen wie nach außen zeigt, daß die Herausgeber mit
der Gründung desselben einen guten Gedanken zur Ausführung gebracht haben.
Die fünf Jahrgänge, die jetzt fertig vorliegen, enthalten ein reiches, wertvolles
Material und bieten sowohl in den wissenschaftlichen Abhandlungen, als auch in
den praktischen Lehrproben die Früchte fleißiger Arbeit und des ernsten Bestrebens,
die holländische Schule in bessere Bahnen zu lenken.
Es würde mich zu weit führen, hier näher auf den Inhalt dieser Zeitschrift
einzugehen. Um aber den Leser doch einen Blick in die Art des Blattes thun
zu lassen, will ich hier kurz den Inhalt des l. Heftes des VI. Jahrgangs
angeben.
1. Über die Anlage. (Eine psychologische Betrachtung )
2. Wahrnehmungen außerhalb der Schule. (In der Arbeit wird gefordert:

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.