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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Muttersprache. Der Verfasser hat klar
die Wurzeln erkannt, die Ursachen der
Kälte, Gleichgültigkeit und Pietätlosig
keit gegen das Vaterland, die bei Hun-
derttausenden unserer Volksgenossen ge
genwärtig gefunden werden. „Das un
tere Volk krankt an dem Mangel des
historischen Siunes nnd der historischen
Pietät, es kennt zu wenig die Schick
sale des Vaterlandes, das mühevolle,
jahrhundertelange Ringen nach Eini
gung, den Geist der in seiner natio
nalen Dichtung weht." Was Vers, in
den Kapiteln „Ästhetik" und „Litterarische
Kenntnisse" ausführt, ist sehr beherzi
genswert. — Auch die Bearbeitung des
II. Abschnittes „Stoff des litteratur-
kundlichen Unterrichts," der sich über den
Umfang und den Inhalt des Stoffes,
die Form der Dichtung, die Stoffver
teilung, den Inhalt der zur Behandlung
empfohlenen Sagen ausspricht, darf als
gelungeu bezeichnet werden, wenn auch
hinsichtlich der Volksschule, selbst der mehr-
klassigen, bezweifelt werden muß, daß die
empfohlenen Stoffe zum größeren Teile
behandelt werden können. Sehr richtig
hat Sommer, der auch die Sagenstoffe
im Unterichte verwertet haben will, nur
die wichtigsten und schönsten Sagen aus
gewählt, — es sind dies: die Nibelun
gen, Gudrun, das Waltharilied, Wolf
dietrich, Alpharts Tod und die Raben-
schlacht, Roland, Herzog Adelger, der
gute Gerhard, — aber auch dieser Stoff
ist noch viel zu umfangreich. — Recht
dankenswert ist der auf S. 50—62
gegebene, in vier Kolonnen übersichllich
zusammengestellte Entwurf eines Lehr
plans für Litteraturkunde, der wohl hier
und da die Kritik herausfordert, im
übrigen für gehobene Schulen ganz ge
eignet erscheint. — Der III. Abschnitt:
„Methode des litteraturkundlichen Unter
richts" umfaßt die Seiten 57—94.
Auch er trägt das Gepräge der vorher
gehenden Abschnitte an sich, gegen die
daselbst gemachten Ausführungen läßt sich
nichts Wesentliches einwenden, obwohl
dieselben von der allgemein geltenden
Anschauung und Lehrweise nicht unbe
deutend abweichen. In diesem Abschnitt
erfährt man, daß der Verf. ein Anhän
ger der Herbart-Zillerschen Pädagogik
ist, der auch den litteraturkundlichen
Unterricht nach den formalen Stufen Her
barts gegliedert haben will. Daß Verf.
die Lebensbeschreibung des Dichters vor
ausschickt, ist allerdings nicht nach dem
Sinne Zillers und seiner Schule, das
entspricht auch nicht dem maßgebenden
Prinzip des Interesses. Den Schluß
des wertvollen Bnches bildet eine Unter
richtsprobe für die Oberklasse, welche
Ernst Moritz Arndt behandelt, hin
sichtlich deren ich mir nur die eine
Bemerkung erlaube, daß die Einführung
oder VorbereitungsStufe I.) S. 81. 82
zu umfangreich erscheint. —
Möchte das Buch von vielen Kollegen
gelesen und studiert werden.
Gl. H. Grabs.

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