Dörpfeld und die religiösen Klassiker.
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Lehrstoff aus diesem erst kennen lernen soll, so ist solcher Katechisniusunterricht
an sich, wie gut er auch immer erteilt werden mag, kein naturgemäßer"
(I, S. 104).
Ich habe die Freude, den Lesern des Schulblatts gerade diesmal einen Ab
schnitt aus dem früher (1894, Nr. 5) und oben schon genannten nachgelassenen
Werke Dörpfelds mitteilen zu können, in dem er sich über unsere Frage des
näheren ausspricht. Er spitzt seine Erwägungen über den Unterschied von Bibel
und Katechismus, wie unten zu lesen sein wird, also zu: „Der Katechismus be
trachtet den Lernprozeß als das Vererben einer fertigen Theorie; die heilige
Schrift giebt keine fertige Theorie, sondern nur praktische Weisungen und spornt
daher zur Selbstforschung an, will also den Lernprozeß als ein Erwerben
betrachtet wissen."
4. Lcdcntnng öer Htilsgeschichtc.
Es ist also nach Dörpfeld eine „gefährliche Täuschung", »man lehre recht,
d. h. doch auch: verständlich und eindringlich, wenn man die ,reine Lehre, makellos ,
weiter spediere;" denn „ohne die Unterlage von Gedanken und Erfahrungen"
deren Ergebnis der Lehrsatz erst ist, „läßt dieser oberste Satz seinem ganzen
Inhalte nach sich gar nicht fassen" (I, S. 16). Welches ist nun die „rechte
Lehre?" Dörpfeld antwortet mit der tiefgreifenden These: „Heilsgeschichte
ist die beste Heilslehve" (II, S. 33 vgl. I, S. 104). „Gegenüber der stets sich
erneuernden Lüge, daß das Evangelium eine bloße Lehre sei, gilt es, den kleinen
und großen Christen zum Nimmervergessen einzuprägen, die Botschaft des Heils
habe es mit Thaten und zwar mit den „großen Thaten Gottes" zu thun,
wie ja auch die Urkonfession der Kirche in ihren drei Artikeln nur davon
redet" (I, S. 198). Es ist da nun für Dörpfeld, der das bisher Geltende so
viel zu kritisieren und anzufechten hatte, eine wahre Genugthuung, daß er sich
auch einmal auf behördliche Weisungen und zwar auf die viel verschrieenen preußi
schen Regulative berufen kann. Mit Freuden streicht er den Satz derselben
heraus: „Die biblische Geschichte ist das Feld, auf dem die evangelische Elementar-
schule ihre Aufgabe, das christliche Leben der ihr anvertrauten Jugend zu be
gründen und zu entwickeln, zu lösen hat" (I, S. 196) oder noch bestimmter:
„Die Heilsgeschichte ist das Fundament der Heils lehre, darum muß die bib
lische Geschichte der Mittelpunkt des elementarischen Religionsunterrichts sein"
(I, S. 201). Nur geht Dörpfeld mit diesem Grundsatz mehr in die Tiefe und
stellt ihn zugleich auf einen höheren Sockel; er begnügt sich nicht, wie sonst
üblich, mit der Einzelarbeit der Erklärung biblischer G e s ch i ch teil, sondern will
von da zu einer umfassenden Behandlung der großen Thaten Gottes selbst, aber
der Heilsg eschichte aufsteigen und schließlich auf eine aus der Heils-
ge schichte genetisch entwickelte Heils lehre abzielen.
Sind also die religiösen ,Klassiker^ einerseits, wie wir oben sahen, um

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