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I. Abteilung. Abhandlungen.
Metapher von der harten Arbeit unserer Vorfahren, sowie von ihren heiteren
Spielen, ihrem Glauben und ihrer Sitte. Mit der Bedeutungs-
Übertragung begann eine neue Periode in der Sprache. Die
Metapher stiftete immer neue Verschmelzungen und bahnte das Verständnis an;
sie beleuchtete die Vorstellungen, die sie verband, scharf aber flüchtig; sie nahm
nicht selten „den Weg durch ein Leises Kontrastieren und erhob sich selbst zu
einer ästhetischen Bedeutung." *) Sie regte die poetische Gestaltungskraft an^)
und hob die Sprache empor zur Dichtersprache. Und doch, weil sie
auch mit Notwendigkeit aus der Natur der menschlichen Seele fließt, machte sie
sich auch in der volkstümlichen Umgangssprache geltend, die ja immer
zu Anschaulichkeit und drastischer Charakterisierung neigt. Daher ist sie von
einem bedeutenden Sprachforscher 3 ) einer der mächtigsten Tragpseiler
in dem Gebäude der menschlichen Sprache genannt worden. „Wir
können uns kaum denken, wie irgend eine Sprache ohne sie die einfachsten Ele
mente hätte überschreiten können, ohne sie würde die Sprache an dem Boden der
Sinnenwelt haften geblieben sein." Heute zwar erkennen wir auf den ersten
Blick selten sogleich die Beziehungen eines metaphorischen Wortes oder einer
Wortverbindung zu dem kulturellen Hintergrund, auf dem sie erwachsen sind.
Heben wir aber nur leise den Schleier, so entrollt sich ein Kulturgemälde so klar
und deutlich, daß, wie O. Schräder mit Recht sagt, „etwas Berauschendes über
uns kommt." 4 ) Ackerbau und Viehzucht, Jagd und Schiffahrt,
Krieg und Rechts wesen, Ansiedlung und Bauwesen. Ritter
und Bürgerleben, Spielen und Trinken u. s. w., alle kulturellen
Erscheinungen haben der Sprache neuen, reichen Inhalt und
Lebenskraft ausgeteilt.
Das Ergebnis dieser kurzen theoretischen Untersuchung, daß mit der wach
senden Kultur
1. der konkrete Wortschatz reicher werden,
2. die Sprache durch die Bedeutungsübertragung konkreter Wörter auf
höhere geistige Gebilde sich in reichem Schmucke ausgestalten mußte,
soll nun in möglichster Kürze an unserer Muttersprache nachgewiesen werden.
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Als unsere Vorfahren in grauer Urzeit mit ihren Stammesgenosien, die
man mit dem gemeinsamen Namen der Jndogermanen bezeichnet, noch als * 2
1) Vgl hierzu Weise, Unsere Muttersprache. Leipzig 1897. S. 238 ff. — Paul,
Principien. S. 86 ff.
2 ) Volkmann, Lehrbuch der Psychologie. Köthen. Bd. I, S. 440.
2 ) Max Müller, Vorlesungen über die Wiffenschaft der Sprache. Deutsch von
Böttger. Leipzig. S- 331 f.
0 Q. Schräder, Der Bilderschmuck der deutschen Sprache. Weimar. S. 1.

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