Ist neben dem belletristischen Lesebuche ein Reallesebuch notwendig? 103
hier nicht erörtert zu werden. Aber es muß unbedingt verlangt werden, daß
die Darbietung nur geschehen darf durch das freie mündliche Lehr wort.
In Bezug auf Naturkunde ist mir wohl der Einwand begegnet, sie
dürfe nicht durch Hörensagen, sondern sie müsse durch das Anschauen der
Natur erlernt werden. Diese Forderung ist durchaus berechtigt, und ich stimme
ihr ganz und voll zu. Der Lehrer leite die Schüler ja an zu einer selbstthätigen,
verständigen und sinnigen Naturbetrachtung, insbesondere auch indem er ihnen
zu diesem Zwecke ganz bestimmte Aufgaben zum Beobachten stellt. Wenn aber
jemand der Meinung ist. diese Mahnung stehe im Gegensatze zu der Forderung,
daß dem freien mündlichen Lehrworte die erste Stelle auch im naturkundlichen
Unterrichte gebühre, so ist sie mindestens sehr unüberlegt. Denn die Unmündigen
bedürfen auch zu diesem, dem naturkundlichen Lernen, der Anleitung, und die
kann eben nicht auf stumme Weise geschehen. — Und wenn es sich nicht
bloß um Kenntnisse, sondern um Einsicht, um naturkundliche
Bildung handeln soll, so muß diese Anleitung sich sogar zu einem sch ul -
mäßigen oder bildenden Unterrichte gestalten. —
Ausgemacht ist also, — daß der Lehrer für ein anschauliches Auf
fassen sorgen muß, und — daß das im Vollmaße nur durch das freie
mündliche Lehr wort geschieht, nicht durch ein Buch.
Damit ist aber die Aufgabe des mündlichen Lehrwortes noch nicht erledigt.
Auch die erste Wiederholung behufs des Einprägens muß durch das münd
liche Lehrwort geschehen, schon deshalb, weil der Lehrer untersuchen muß, ob bei
den Schülern an der einen oder andern Stelle Lücken oder falsche Auf
fassungen entstanden sind. — Das W i e der ersten Repetition braucht nicht
erörtert zu werden, nur muß verlangt werden, daß dieselbe mündlich ge
schieht. — Nur daran möchte ich noch erinnern, daß nicht nur der Stofs
in seinen Einzelheiten wieder aufgefrischt, sondern auch die logische
Gliederung, d. i. die Überschrift der einzelnen Teile befestigt werden
muß, damit die Übersicht über das Ganze erleichtert und der Zu
sammenhang geläufig gemacht werde.
Diese Forderung gilt für alle Schulen, für die einklassige sowohl wie für
die vielklassige. Wenn erstere nicht soviel Zeit für das mündliche Einprägen
übrig hat wie die mehrklassige, so soll sie den Lehrstoff entsprechend beschränken.
Natürlich gilt diese Anforderung an die mündliche Durcharbeitung auch für alle
Stufen und nicht nur für die Oberstufe.
Diese Arbeit muß das freie mündliche Lehrwort voll und ganz leisten,
ohne Abzug, — also nicht das Buch, — und es soll und darf daran nichts
gemindert werden. —
Es tritt somit an den Lehrer die zwingende Notwendigkeit zum eingehenden
Studium sowohl des Lehrstoffes, als auch der methodischen Behandlung und
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