Ist neben dem belletristischen Lesebuche ein Reallesebuch notwendig? 107
das auch nicht, weil es sie aus bekannten Gründen vergessen hat. So wird die
häusliche Repetition ungenau, unvollkommen, unklar und beschwerlich. Und da
das Kind nun trotz seines Fleißes in der nächsten Stunde seine Aufgabe nicht
kann, so tritt als notwendige Folge Mißstimmung und Abneigung gegen ein
solches Repetieren ein. — Diese Abneigung gegen den Leitfaden wird aber auch
noch auf andere Weise erzeugt und vergrößert. Sie hängt zusammen mit seiner
für das Kind sich nicht besonders empfehlenden Darstellung. Wo ist das Kind,
das von Natur Freude an Skeletten habe? Es hat durchaus keine Neigung zu
allem Ausgetrockneten, Dürren und Toten. Aber alles Lebendige, Frische, An
schauliche erregt sein Interesse, weckt seine Teilnahme. Daher ist ihm der
skelettartige, dürre Leitfaden zum mindesten ein ausgesucht langweiliger Geselle,
und er wird es um so mehr, je mehr er fordert, daß das Kind sich mit ihm
beschäftige.
Sehen wir nun auf die zweite Form des Realienbuches, wie sie von
Dörpfeld empfohlen ist, so finden wir alle Hindernisse für ein selbständiges
häusliches Wiederholen beseitigt. Das Buch verbürgt, was der Leitfaden nicht
thut und das Wiederholen nach selbstgemachten Notizen erst recht nicht, 1. daß
das Wiederholen mit Erfolg geschieht, da die Lektion genau und in ihren
Einzelheiten repetiert wird. Das Wiederholen nach dem ausführlichen Lesebuche
ist 2. nicht beschwerlich; 3. ist ein einmaliges, auch zweimaliges Lesen nicht
zeitraubend, und 4. geschieht das Wiederholen mit Interesse, eben weil
die Darstellung anschaulich ausführlich ist.
Daraus folgt: Da der Schüler nicht nur die Sache, sondern auch ein selb
ständiges Lernen, d. h. hier Wiederholen lernen soll, so bedarf er eines Real-
lesebuches und zwar in ausführlicher Darstellung. —
Zweitens: Das häusliche Wiederholen nach dem Buche ist auch noch
aus einem zweiten Grunde vorteilhafter als nach selbstgemachten Notizen. Wenn
der Schüler angehalten wird, nach seinen Notizen zu lernen, so muß mindestens
feststehen, daß diese Notizen richtig sind, sachlich und sprachlich; denn soweit
sie das nicht sind, übt er Falsches ein. Daß aber beim Aufschreiben allerlei
Irrtümer mit unterlaufen und zwar um so eher und mehr, je jünger die Kinder
sind, also am meisten auf den unteren und mittleren Stufen, das wird wohl
niemand bestreiten. Eine sorgfältige und genaue Durchsicht und Korrektur jeder
einzelnen Arbeit würde demnach unbedingt erforderlich sein. — Woher will denn
nun der Lehrer die Zeit nehmen, etwa 70 bis 80, vielleicht noch mehr Tafeln
oder Hefte genau zu kontrollieren? Auch der Lehrer der einstufigen Klassen kann
das unmöglich, von denen an mehrstufigen Klassen ganz zu schweigen. Der Vor
schlag, auf diesem Wege ein Einlernen vollziehen zu lassen, ist demnach nicht
ausführbar. Nun befinden sich leider die ein- und zweiklassigen Schulen in
dieser Übeln Lage, ebenso die untern und mittleren Klassen der vielklassigen

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