Ist neben dem belletristischen Lesebuche ein Reallesebuch notwendig? 109
hin ist hin, verloren ist verloren. Es handelt sich also um die oben bezeichneten
Lücken in irgend einem einzelnen Punkte bei irgend einem einzelnen Kinde. Hier
zeigt sich auch wieder die Nützlichkeit eines Reallesebuches für diese spätere Repe
tition. Der Lehrer braucht nur dem einzelnen Kinde aufzugeben, sich den be
treffenden Abschnitt in seinem Buche noch einmal anzusehen, jedes Kind nur den
Abschnitt, in welchem es unsicher war, so wird die Lücke mit leichter Mühe
verstopft, und das muß ja dem Lehrer, es wird aber auch dem Schüler an
genehm sein.
Diejenigen, welche das Realienbuch verwerfen oder keins gebrauchen dürfen,
können nichts thun, als die Schüler an die selbstgemachten, dürftigen und un
richtigen Notizen zu verweisen. Auch der Leitfaden kann in den meisten Punkten
dem Kinde nicht die notwendige Deutlichkeit verschaffen, die Wiederholung bleibt
dürftig und unzulänglich. Daher wird es dem Kinde, abgesehen von andern
Ursachen, willkommen sein, wenn das Buch ein ausführliches ist.
Fünftens: Wenn man zugiebt, daß Langeweile das tödlichste Gift für
alles gedeihliche Lernen ist, dann handelt es sich offenbar darum, dieses Gift
möglichst fern zu halten. Nun gehört es aber für jeden Menschen, und besonders
für das Kind, zu dem Langweiligsten, eine und dieselbe Sache immer und immer
wieder in derselben Weise zu wiederholen, da ja jede Wiederholung einen Druck
ausübt. Darum hat der Lehrer für möglichst reiche Abwechselung in der Wieder-
holungsform zu sorgen. Wo will er diese finden? Die erste Wiederholung
muß mündlich geschehen, die zweite kann schriftlich geschehen. Wo der Lehrer
Zeit hat, zum zweiten Male eine mündliche Repetition vorzunehmen, da wird
dieselbe ähnlich sein wie die erste.
Eine bedeutende Abwechselung läßt sich nur dadurch erreichen, daß der
Schüler ein Reallesebuch besitzt; denn das häusliche Wiederholen bringt eine
neue Form in die Einprägungsarbeit; es hat für den Schüler den Reiz des
Neulernens: einmal deshalb, weil er ein neues Einprägungsmittel benutzt und
sodann auch, weil er selbständig lernt. Dieser Vorteil kommt natürlich
ebensosehr wie die vorhergenannten Vorteile den einstufigen Klassen zugut wie
den mehrstufigen. Für letztere ist ohnehin ein Realbuch unentbehrlich. Natürlich
ist es auch hier wieder um so besser, wenn das Buch anschaulich ausführlich, als
wenn es ein Leitfaden ist, weil beim lesenden Wiederholen ein bedeutend größerer
Unterschied in der Art der Wiederholung erzielt wird als beim Wiederholen
nach dem Leitfaden.
Bis jetzt ist die Rede gewesen von der häuslichen Repetition. Es ist
aber erwähnt worden, daß vorher auch ein Lesen in der Schule stattfinden
soll. Hier kommen wir auf einen
sechsten Grund für die Zweckmäßigkeit eines Reallesebuches; denn einen
weiteren bedeutsamen Wechsel in der Einprägungsarbeit bringt das Lesen in der

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