Sprach- und Sachunterricht auf der Unterstufe.
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leiten sie allzuleicht dazu, den Schüler mit Lehrstoff zu überbürden, zur päda
gogischen Wurststopferei. Das wirksamste Mittel dagegen ist das Reallesebuch,
eben seiner ausführlichen Darstellung wegen.
Und dann frage ich noch: Wenn man im Religionsunterrichte das biblische
Historienbuch, also ein anschaulich ausführliches Hülfsbuch, fort und fort benutzt
und also für nötig hält, warum dann nicht ebensowohl ein ausführliches Realien
buch? Ist der Gebrauch eines solchen Buches da richtig, dann auch hier, —
ist er es hier nicht, dann schaffe man auch das Historienbuch beiseite, oder ersetze
es durch einen auszugartigen Leitfaden oder durch selbstgemachte Notizen; —
also: Entweder — oder!
Aus dem Gesagten ist die Notwendigkeit eines Realienbuches, und zwar
-es ausführlichen, klar erwiesen. (Schluß folgt)
Sprach- und Sachunterricht aus der Unterstufe.
Vortrag, gehalten im Lehrerverein zu Mülheim a. d. Ruhr
von Lehrer H. Pade.
M. H.! Es hat einmal ein hervorragender Schulmann gesagt: „Der
echte Pädagog ist ebenso gern bei Kindern, die er mit Rechenpfennigen oder
Schwefelhölzchen zählen lehrt, als bei Jünglingen, die er Gleichungen des vierten
Grades auflösen läßt." Ob wohl viele unseres Standes dies Wort unterschreiben
würden? Ich möchte es billig bezweifeln. Nach meinen Erfahrungen ist die
Norm die, daß jeder Lehrer so schnell wie möglich aus der Unterklasse heraus
zukommen sucht. Der Unterricht bei den Kleinen wird vielfach angesehen als
«ine größtenteils mechanische und daher langweilige Arbeit. Dazu kommt, daß
gerade dieser erste Unterricht ein erhebliches Maß auch körperlicher Elastizität vor
aussetzt. Und endlich wird gegen den Lehrer der Unterklasse immer gelegentlich
mal wieder der Vorwurf erhoben, sein Unterricht mache die Kleinen vor der Zeit
geistig träge und stumpf und erschwere dadurch die Arbeit auf den höheren
Stufen. Alles in allem also wohl eine recht mühevolle und undankbare Arbeit?
In der That ist es so, wenigstens bei der landläufigen Praxis. Die
Hauptschuld daran trägt die Vorherrschaft des Schreibleseunterrichts. Dieser
Unterricht nimmt die Hälfte der gesamten Unterrichtszeit in Anspruch, nämlich
11 Stunden von 22, und wird nach rein formalen Gesichtspunkten betrieben.
Seine Ziele sind: mechanische Lesefertigkeit einerseits und orthographisch richtiges
Schreiben andrerseits. Dabei liegt dann die geistige Thätigkeit des Kindes
während zweier Jahre fast vollständig brach, und es ist gar nicht zu verwundern.

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