114
I. Abteilung. Abhandlungen.
Anweisung schrieb zu einem selbständigen Anschauungs-Unterricht, die bekannte
Anleitung zur Behandlung der Kehr-Pfeifferschen Bilder. Andrerseits muß da
gegen zugegeben werden, daß der unglückliche Name „Anschauungs-Unterricht"
viel zur Verwirrung beigetragen und manchen unnötigen Streit hervorgerufen
hat. Er ist hergenommen von einem Merkmal der Methode und weist durch
nichts auf das Unterrichts-Objekt hin. mit dem er es zu thun hat. Mit gleichem
Rechte könnte man beispielsweise den Katechismus-Unterricht als Denkunterricht
oder das Rechnen als Anwendungsunterricht bezeichnen. Allerdings gerät man
in einige Verlegenheit, wenn man nach einem passenden Namen für diesen ersten
Unterricht sucht. Er umfaßt nicht nur die Anfänge der gesamten Realien,
sondern, wenn man will, auch die der Geschichte und der Geometrie. Daher ist
die Bezeichnung „Naturkunde" oder „Heimatkunde", wie sie die Schüler Zillers
gebrauchen, auch nicht zutreffend, ganz abgesehen davon, daß diese Namen bereits
anderweitig vergeben sind. Am besten könnte man diesen sogenannten An
schauungs-Unterricht vielleicht noch als heimatkundlichen Sachuntcrricht bezeichnen.
sieben dem unzutreffenden Namen giebt es aber noch verschiedene andere
Gründe für die Unsicherheit auf diesem Gebiet. Lange Zeit hat man sich be
müht, allgemeingiltige Principien für die Auswahl und Anordnung des Stoffes
aufzustellen. Ich kann Ihnen hier nicht die verschiedenen Vorschläge anführen;
ich meine indessen, die Sache liegt recht einfach. Wer die geistige Verfassung
eines sechsjährigen Kindes kennt und sich in der näheren Umgebung der Schul
gemeinde einigermaßen umgesehen hat, dem kann die Auswahl nicht sonderlich
schwer fallen. Und ebenso bietet der Verlauf der Jahreszeiten in diesem Falle
das einfachste und natürlichste Princip der Anordnung. Ich möchte hier auf ein
Wort K. Richters hinweisen, das in seinem vorzüglichen Buche über den An
schauungsunterricht steht: „Wenn der Frühling die Erde weckt und den Garten
mit Blumen schmückt, wenn des Sommers Hitze der Felder wogende Saaten
reift, wenn der Herbst uns reiche Gaben spendet und in des Winters Schnee
und Eis hinein der Lichterglanz des Christbaums strahlt; da sollen auch die
Kinder in der Schule davon erfahren, davon erzählen, reden und singen können."
Wichtiger als dieser Streit um Auswahl und Anordnung des Stoffes
scheint mir ein anderer Umstand zu sein, der bislang recht wenig Beachtung ge
funden hat. Man hat nämlich versäumt, die Gegenstände des Anschauungs
unterrichts in einer Weise zu behandeln, die der geistigen Entwicklung des
Kindes dieser Stufe entspricht. Charakteristisch für diese Stufe der kindlichen
Entwicklung ist nämlich die vorzugsweise phantasiemäßige Auffassung und An
eignung der Dinge oder. um mit Sully zu reden, „die nach der Analogie aus
geführte und halbpoetische Apperzeption, die metaphorische Zurückführung eines
Dinges auf ein Urbild. Das Kind mit seinem Wunsche zu assimilieren, in der
Region des Bekannten etwas zu finden, zu dem das Neue und Unbekannte in

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.