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I. Abteilung. Abhandlungen.
Südrußlands, auf ein Volk von höherer Kultur gestoßen sind. Bezeichnungen
für Metalle und Kulturpflanzen wie Silber, Hanf, Erbse, vielleicht auch
Gold, «Dtahl, Senf, die sich als Bestandteile der westlichen Sprachen sonst
nicht erklären lassen, sind Errungenschaften dieser Zeit.
Es liegt auf der Hand, daß sich die Jndogermanen erst allmählich gänzlich
trennen, wie ja auch die einzelnen Sprachen sich nur nach und nach von der
Grundsprache entfernen. Sie blieben untereinander in stetem Austausch ihrer
Kulturerrungenschaften, die in dieser Zeit in erster Linie den Ackerbau und tech
nische Fertigkeiten betreffen, z. B. säen, mähen, melken, mahlen,
nähen u. a. In dieser Zeit lernen unsere Vorfahren die Schmiedekunst
kennen mit ihrer Fülle von besonderen Bezeichnungen für Technik, Gerät und
Gewaffen. Fernere Errungenschaften deuten auf die Zähmung des Rosses als
Reit- und Zugtier, aus Fortschritte in Kleidung und Nahrung. Nachdem
aber die Germanen die Gebiete unseres jetzigen Vaterlandes eingenommen hatten,
entwickelte sich eine Reihe von Sprachstämmen, die den Jndogermanen nicht ge
meinsam sind. Aus diesem germanischen Sondergut, das vielleicht in gegenseitiger
Entlehnung Allgenieingut wurde, schaut uns eine neue Welt entgegen. Es er
scheinen Renntier, Reh, Hirsch, Fuchs und Eichhorn. Vor allem
aber taucht die See mit ihrem Treiben empor; Haff und Flut, Klippe,
Strand und Eiland, Walfisch, Robbe und Möwe sind neue gemein
germanische Begriffe. Daneben entwickelt sich die Terminologie der Segel
schiffahrt und der Sternkunde.
Als ethische Begriffe, die specisisch germanisch sind, müffen gut und übel,
mild und arg, hold und treu gelten, die allerdings nicht den Inhalt der
heutigen Wörter aufweisen. Gut (verwandt mit Gatte, engl. together, got.
gadiliggs „Verwandter") hat die Grundbedeutung von zusammengehörig, passend
(man denke an das Sippenleben); übel (verwandt mit über) bedeutet „über die
Schranken (der Sippe) gehend". Mild hat die Bedeutung von freigebig, arg
dagegen von geizig, nicht gastfreundlich, daher nichtswürdig. Hold weist auf
das Verhältnis von Lehnsherr und Gefolgsmann und bedeutet herablassend,
gnädig (Wurzel hal = sich neigen, vgl. Halde), während in umgekehrter Weise
treu (verw. mit trauen) auf das Verhältnis von Gefolgsmann zu Lehnsherr
hinweist. Die Sittlichkeit stand eben noch auf tiefer Stufe?) „Das Individuum
war in Lieben und Hassen, in Leiden und Handeln durch seine Stellung in der
Abfolge der Geschlechter sehr eng begrenzt. Uneingeschränkter Egoismus auf der
einen Seite — auf der andern Knechtung jeder persönlichen Lebensauffassung, ja
der Persönlichkeit selbst durch harte Bindung an die natürlichen Fesseln des Ge
schlechts: das sind die Kennzeichen der Frühkultur." Auch der Götterglaube
Lamprecht a. a. 0., Bd. I, S. 83.

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