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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
die Fortführung eingeführt wird, da werden zweifellos erheblich größere An
forderungen, namentlich an die älteren Lehrer, gestellt. Wenn da die erforderliche
Elastizität nicht mehr vorhanden ist, dann muß die Einrichtung als drückend
empfunden werden. Es ist aber zu beachten, daß das nur besondere Verhältnisse
bei der Neueinführung trifft, nicht aber den Wert der Organisation selbst. Im
allgemeinen wird sich die Fortführung leichter einführen lassen, wo der Lehrkörper
in der Mehrheit aus jungen Lehrkräften besteht, schwerer, wo er sich aus älteren
zusammensetzt. Einmal heißt es, die Lehrer stünden gleichgültig zu der Ein
richtung, ein andermal: „nicht unsympathisch", wieder ein andermal (wo sie erst
vor kurzem eingeführt worden war): „bisher ablehnend". Für einen Ort heißt
es, die Lehrer seien dagegen. Bei einem Orte wird angegeben, die Lehrer seien
für völlige Durchführung, bei einem andern, die jungen Lehrer seien für möglichst
weitgehende Fortführung, die älteren nicht. In allen andern Fällen sind die
Lehrer mit der eingeführten beschränkten Fortführung einverstanden. Für einige
Schulen ist über die Stellung der Lehrer oder Schulaufsichtsbeamten oder beides
nichts mitgeteilt worden.
Auch die Schulaufsichtsbehörden stehen der Fortführung der Klassen in den
allermeisten Fällen sehr günstig gegenüber. In SachsewMeiningen ist die Ein
richtung gleichsam obligatorisch gemacht worden, da die Oberschulbehörde die
beschränkte Fortführung (innerhalb der Unterrichtsstufen) verlangt. Die Königl.
Regierung in Arnsberg ordnet in der Dienstanweisung für Rektoren an, daß
jeder Lehrer seine Klasse mindestens zwei Jahre mitführe. Ebenso tritt die
Merseburger Regierung für die Fortführung ein. Nach Tews ist sie auch von
der Breslauer Regierung empfohlen worden.
Mit wenigen Ausnahmen werden in allen Berichten die Vorteile der be
schränkten Fortführung entschieden und warm betont. Die angeführten Nach
teile und Bedenken treten dagegen in den meisten Fällen völlig zurück. An
mehreren Schulen weiß man überhaupt nichts von Nachteilen zu berichten. Die
angeführten Bedenken treffen zudem — was wohl zu beachten bleibt und in den
Berichten oft auch 'angeführt wird — größtenteils nicht die beschränkte Fort
führung, sondern die Fortführung bis an das Ende der Schulzeit, also die
Durchführung der Klassen. — Auf den Aufruf erschien auch von einem unge
nannten Verfasser in der „Schulpflege", 1900, Nr. 11, eine eingehende Dar
legung von „Bedenken gegen die Durchführung der Schulklassen". Dieselben
treffen gleichfalls großenteils die völlige Durchführung. In dem oben ange
führten Aufsätze des Verfassers dieser Statistik sind die meisten schon behandelt worden.
Wie bereits angedeutet worden ist, sind wir leider nicht in der Lage, be
züglich aller angeführten Orte die Angaben vollständig zu bieten, da die ein
gelaufenen Mitteilungen nicht immer alle Fragen beantworten. Es liegt in der
Natur der Sache, daß die vorliegende Statistik als erste umfassende nicht lückenlos
fein kann. Es wäre dem Verfasser deshalb sehr erwünscht, wenn er weitere
Mitteilungen erhielte, die zur Ergänzung dieser Zusammenstellung und zur Be
lehrung dienen könnten. Denn bei einer derartigen Schulorganisationsfrage ist
schließlich noch mehr als bei andern pädagogischen Angelegenheiten die praktische
Erfahrung überzeugend und ausschlaggebend. Für Duisburg. Coburg, Schwein
furt, Waldenburg i. Schl., für welche Orte Tews im Jahre 1889 Mitteilungen
über Fortführung der Klassen zugingen, ist jetzt keine Nachricht eingelaufen, auch
auf meine direkten Anfragen.

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