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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Pfade zu suchen; bei den Alten das Bemühen, auch das Gute der alten Wege
aufzudecken. So soll's sein, denn wie Dörpfeld gern sagt, soll das eine Bein
ausschreiten, so muß das andere stehen.
M. G. R.
Stimmen zur Schulreform.
i.
Vor etwa zehn Jahren veröffentlichte der kürzlich verstorbene Schuldirektor
Dr. Sachse in Leipzig — der Herausgeber des „Praktischen Schulmannes" —
gesammelte Aufsätze zur Schulreform?) Das Buch hat leider nur geringe Ver
breitung gefunden. Und doch ist es ein äußerst wertvolles Buch, reich an
fruchtbaren Anregungen und neuen Gesichtspunkten. Der Verfasser erweist sich
hier als ein feingebildeter, kenntnisreicher Schulmann, der über der pädagogischen
Kleinarbeit den Blick für das Große nicht eingebüßt hat, der aber auch anderer
seits bei seinen Reformvorschlägen sich niemals von der Wirklichkeit entfernt.
Das möchte ich hier gegenüber den Ausführungen Dr. Joh. Müllers (im Januarheft)
ausdrücklich betonen. Wenn irgendwo, dann gilt auch auf dem Gebiet der Schule
das Wort: „Eng bei einander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen
sich die Sachen." Es ist gewiß zweckmäßig und dankenswert, wenn uns ab
und zu mal ein fernes Ideal als Endziel aufgezeigt wird, dessen Anblick uns
mit freudiger Begeisterung und neuer Spannkraft erfüllt. Aber ebenso dankbar
wollen wir es begrüßen, wenn uns einmal ein wirklich Berufener mit klarem
Blick und sicherer Hand gangbare Wege vorzeichnet für die nächste Zukunft. Und
das hat Dr. Sachse eben hier gethan.
Wir lernen ihn kennen als einen warmherzigen Anwalt der Rechte des
Kindes gegenüber der Herrschaft des Stoffes, als einen „Pädagogen im großen
Stil", der über die Kinder hinaus das ganze Volk mit den Augen des Er
ziehers betrachtet, der darum auch immer wieder eintritt für einen im guten
Sinne volkstümlichen Unterricht, und den zuletzt auch alle Mißerfolge nicht
wankend machen können in „dem Glauben an die Möglichkeit der Veredlung des
Menschengeschlechts" (Pestalozzi).
Nach dieser kurzen Kennzeichnung des Inhalts mag es genügen, wenn der
Verfasser selbst in einigen charakteristischen Aussprüchen zu Worte kommt.
„Wir lehren zu viel und bilden zu wenig, wir treiben zum Lernen an und füllen
das Gedächtnis, aber berücksichtigen nicht, wie die geistige Kraft gefördert werden und
was sie leisten kann."
„Die Schule würde unendlich Höheres wirken, wenn sie die Lust zum Weiterlernen
erzielte, wenn sie im kindlichen Geiste einen Hunger nach geistiger Speise zustande
kommen ließe, als wenn sie mit Massen dürren oder aufgeputzten Wisiens die geistige
Verdauung zu nichte macht."
„Wer ein Kind schon im vorschulpsiichtigen Alter bei seinen Spielen beobachtet,
wer es psychologisch zu beurteilen versteht, welche Freude ihm die kleinen Dienste be-
0 Zur Schulreform. Anregungen und Gesichtspunkte besonders in Rücksicht auf
die Volksschule. Leipzig 1891, Alfred Hahn. 1,50 M. Inhalt: l. Zur Schulreform.
2. Nationale Pädagogik. 3. über die Erziehung zur Selbständigkeit durch den Unter
richt. 4. Anschaulichkeit und Veranschaulichungssucht. 5. Wissen und Bildung. 6. Idea
lität und Bildung. 7. Von der llberbürdung des Kindes durch den Unterricht. 8. über
die allgemeinere Verwirklichung der pädagogischen Idee.

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