Ausblicke.
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Standpunkte menschlicher Fürsorge aus nicht nur zu rechtfertigen, sondern sogar zu
befürworten: aber im großen und ganzen thut unserer Zeit mehr not, die Eltern auf
ihre Pflichten gegen die Kinder aufmerksam zu machen, als der Schule mehr und mehr
neue Obliegenheiten aufzuzwingen, die weder ihrem Princip entsprechen, noch ihre Arbeit
fördern."
„Nur wer sich denkend und strebend selbst bemüht, wer selbst zu klaren Erkennt-
nisien über Kinder und Kindesnatur gekommen ist und die Unterrichtsstoffe nicht nur
insoweit, als er sie in der Schule gerade braucht, sondern in Rücksicht ihres päda
gogischen Gehaltes und ihres Nährwertes für Geist und Gemüt verschiedener Ent
wickelungsstufen beherrscht, ist ein rechter Lehrer für die Schule der Gegenwart und
Zukunft."
„Lasten wir uns die Sorge um Anerkennung nicht zu sehr beschäftigen! Nützen
wollen, nicht groß erscheinen! — ist das Princip aller derer gewesen, die bisher zum
Segen der Volksschule gedacht und gewirkt haben, es sei auch das unsrige!"
Ausblicke.
2. Wessen Einfluß ist stärker, der des Hanfes oder der Schule?
Unter dieser Überschrift brachte die „Evang. Volksschule" folgende Aus
lassungen der „Kölnischen Volkszeitung":
„Schreiber dieses hat als Berliner natürlich Veranlassung, zunächst das Berliner
Schulwesen von diesem Standpunkte aus zu prüfen. Bei der großen Stärke der
socialvemokratilchen Parlei in Berlin erklärt es sich, daß hier ganz besonderes Gewicht
auf die Erziehung der Jugend zum Patriotismus gelegt wird, ebenlo liegt es nahe,
daß in der Residenz der Hohenzollern auch die Verdienste der Dynastie den Schülern
mit großem Eifer eingeprägt werden. Nun zeigt sich aber für jeden, der Menschen und
Dinge zu beobachten versteht, daß die Schule mit dieser Arbeit nur bei einem Teile der
Jugend Erfolg hat. nämltch dort, wo sich die gleiche patriotische und monarchische Ge
sinnung im elterlichen Hause vorfindet. Das Wort des Vaters und der Mutter
gilt doch immer viel mehr als das des Lehrers. Sobald die Eltern dem Kinde sagen,
in der Schule werde ihm die Unwahrheit gelehrt, ist alle Arbeit des Lehrers umsonst.
Die Kinder socialdemokratischer Eltern in der Reichshauptstadt fassen alle patriotischen
und religiösen Belehrungen in der Schule mit unbesieglichem Mißtrauen auf. Sie
opponieren zwar nicht dagegen, um sich keine Bestrafung zuzuziehen, aber man muß sie
erst nach der Schulentlassung reden hören. Man hat den Eindruck, als ob gerade die
vielfachen Ermahnungen ihren Widerwillen gegen den Thron und die Religion nur ge
steigert hätten. Wer darüber Studien machen will, muß gewissermaßen in der Ver
kleidung eines Harun al Raschid kommen. Tritt man als Amtsperson oder als „Hono-
ratior" vor die fünfzehn- bis zwanzigjährigen Burschen und Mädchen hin, so sagen sie
feiten ihre wahre Meinung, aber sobald sie unter sich sind, ist der Ton ein ganz an
derer; man ist geradezu verblüfft von dem sich kundgebenden Hasse gegen alle
staatliche und kirchliche Ordnung Auf gute Kenntnis der Berliner Verhältnisse
gestützt, behaupte ich. daß bei zwei Dritteln der schulentlassenen Berliner Kinder die
patriotischen und religiösen Belehrungen der Schule für das Leben vollständig
wirkungslos bleiben. Ost genug kann man hören, daß sie über ihre „Schul
meister" und Prediger spotten, weil diese sie für gute Patrioten und Ehristen hielten,
und doch hätten sie schon in der Schule gewußt, daß diese Leute nur so sprächen, weil
sie dafür bezahlt, sonst aber abgesetzt würden. Bei einem Blick auf die Berliner Ver
hältnisse führt sich in den Augen des nüchternen Beurteilers die Wahrheit des Wortes,
daß dem die Zukunft gehöre, der die Schule hat, auf ein sehr bescheidenes Maß zurück.
Und ist es in anderen Großstädten, wo die Socialdemokratie dominiert, nicht ebenso? . .
Uns will scheinen, wer die Schule hat, muß auch das Elternhaus haben, sonst hat
er nicht die Zukunft."
Wir nehmen von diesen Bemerkungen der „Kölnischen Volkszeitung" eben
falls Notiz, weil sie im wesentlichen nach unserm Dafürhalten der Wahrheit ent-
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