Ist neben dem belletristischen Lesebuche ein Reallesebuch notwendig? 151
dürfen seiner Seele die erforderlichen Elemente, die Farben zur Ausführung des
Phantasiegemäldes, nicht fehlen. Wie dürftig ist aber nicht oft sein Erfahrungs
schatz sowohl an Vorstellungen wie Gefühlen! Das muß der Lehrer sorgfältig
berücksichtigen bei der Auswahl der Gedichte für die verschiedenen Altersstufen.
Oft bietet sich ihm Gelegenheit, durch den übrigen Unterricht einem Gedichte
in der Seele des Kindes den Boden zu bereiten. Solche Gelegenheiten darf
er nicht unbenutzt lasten. Nun muß er aber auch gleich im Anschluß daran
das Gedicht behandeln und nicht warten, bis die appercipierenden Vorstellungen
wieder verblaßt sind.
Und noch eins: So verschieden die Natur der einzelnen deutschen Land
schaften ist, so verschieden sind auch, besonders in Bezug auf Naturliedcr, die
Erfahrungskreise der Kinder. Man denke nur an Kinder der Heide und an
solche, die in waldreichen Gebirgsgegenden aufwachsen. Darum kann und soll man,
ähnlich wie Adolf Bartels in seiner „Deutschen Dichtung der Gegenwart" für
das poetische Schaffen im Interesse einer gesunden Poesie eine örtliche Abtönung
der Zeitbewegungen empfohlen hat, auch für die Auswahl der Gedichte in der
Volksschule eine örtliche bezw. landschaftliche Abtönung fordern. Es müssen in
den einzelnen Gegenden die Gedichte begünstigt werden, welche die landschaftlichen
Besonderheiten der Heimat lyrisch darstellen, die den Kindern also die Augen
öffnen für die der Heimat eigentünllichen Schönheiten; denn solchen Gedichten
bringen sie aus ihrem eignen Leben gefühlswarme Erinnerungen entgegen.
Ist neben dem belletristischen Lesebuche ein Reallesebuch
notwendig?
Von Rektor La mb eck in Remscheid.
(Schluß.)
Die Gründe für die Notwendigkeit eines Hilfsbuches, und zwar eines aus
führlichen, sind aber noch immer nicht erschöpft, sondern die wichtigsten, die
ausschlaggebenden, sollen noch folgen.
Bisher haben wir nur vom sachlichen Lernen gesprochen, wir haben aber
auch das sprachliche Lernen mit ins Auge zu fassen. — Freilich, der ein
sichtige und praktische Lehrer wird auf ein solches Hilfsbuch schon um des sach
lichen Lernens willen nicht verzichten wollen, auch nicht an einstufigen Klassen.
Die Lehrer an mehrstufigen Klaffen wollen und können es ohnehin nicht ent
behren.
Und wenn trotzdem jemand behaupten wollte, er sei ein so vorzüglicher
Lehrer, daß er dieses Hilfsmittels für das sachliche Lernen entraten könne, so

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