Ist neben dem belletristischen Lesebuche ein Reallesebuch notwendig? 159
höheres Ziel in der Sprachbildung erreichbar ist. Und zwar sind zu diesem
Zwecke drei Forderungen zu erfüllen, nämlich:
Erstens muß die Sprachbildung nicht nur am belletristischen Lesebuche,
sondern vorzugsweise an den sachuterrichtlichen Fächern, hier an den
Realien , gepflegt werden, insbesondere damit der Schüler sich klar, bestimmt
und kurz ausdrücken lerne.
Zweitens muß das sprachliche Können, die Fertigkeit, so gepflegt
werden, daß es einen Vorsprung vor dem sprachlichen Wissen habe, und
zwar wohlgemerkt darum, weil so das sprachliche Wissen, die Fertigkeit, am
besten gedeiht.
Drittens ist die Mundsprache so zu pflegen, daß sie der Schrift
sprache immer eine Strecke voraus ist, — und zwar besonders auch darum,
weil dann die Schriftsprache am besten gedeiht.
Wie können nun diese drei Bedingungen erfüllt werden, — und wie
hängen sie mit dem Reallesebuch zusammen?
Beginnen wir mit dem dritten Grundsätze und fragen: Was ist zu seiner
Ausführung zu thun? Nach Dörpfeld verhält sich die Sache so:
„Da die Mundsprache pädagogisch wichtiger ist als die Schriftsprache, so
folgt daraus, daß die Fertigkeit im mündlichen Ausdrucke in erster Linie
gepflegt werden muß. Die Hauptmittel dazu sind Lesen, Memorieren und
Sprechen. Unter diesen sind Lesen und Memorieren offenbar für die
Schulung in der Mundsprache viel einflußreicher als die Unterredung. Zwar
findet auch ein Einprägen der sprachlichen Formen statt, wenn das Kind den
Lehrer und seine Mitschüler sprechen hört; jedoch steht dieses Einprägen be
deutend hinter dem lesenden Einprägen zurück. Während nämlich die
Schüler beim Sprechen bloß mit dem Ohre die Sprechformen vernehmen, fassen
sie dieselben beim Lesen mit dem Ohre und dem Auge auf und üben sie
zugleich mit den Sprachorganen. So ist dieses Einprägen wenigstens
um das Dreifache eindringlicher und sicherer als beim bloßen Hören.
Dazu kommt noch, daß beim Lesen und Memorieren nur die richtigen
Wort- und Satzformen eingeübt werden, wogegen beim bloßen Hören auch
noch allerlei Unrichtiges und Falsches mit unterläuft.
Was läßt sich zweitens thun, um das sprachliche Können, die
Fertigkeit, in der Mundsprache in den sprachunterrichtlichen Stunden
so zu pflegen, daß mehr erreicht wird als bisher?
Es liegt auf der Hand, daß dann die Kinder in diesen Stunden mehr
lesen, mehr memorieren oder mehr sprechen müßten als bis jetzt. Zunächst
wollen wir zusehen, woher den Kindern die Gelegenheit geboten werden könnte,
um sich mehr im Sprechen zu üben als bisher. Selbstverständlich würde
das nur möglich sein, wenn in dem Wechselverkehr, der zwischen Lehrer und

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