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I. Abteilung. Abhandlungen.
dicare), 1 ) Münster (monasterium), Kloster (claustrum), Klause (clausa),
Tempel (templum), Kanzel (cancelli d. i. Schranken), Kreuz (crux,
crucis), Altar (altarc), Orgel (orgauuru), schreiben (scribere), dichten
(dictare), Brief (brevis sc. über), Siegel (sigillum) u. s. w. u. s. w.
Alle diese Fremdlinge wären bei gutem Willen zu vermeiden gewesen?) Zudem
drängten sie nicht selten echt deutsche Wörter zurück, z. B. ahd. ougatora
Augenthor durch fenestra (vgl. engl, window - Windauge), ahd. senkil-
stein durch Anker, Eiland durch Insel, ahd. lind und wurm durch
Drache. Doch war ihre Übernahme — und das söhnt uns damit aus —
stets mit einem Kulturfortschritt verknüpft?) Sie wurden mit der Kultur, die
in die tiefsten Schichten des Volkes eindrang und verarbeitet wurde, vom Volke
angeeignet, das ihnen dann lautlich ein deutsches Kleid gab. Sie machten zu
meist, mit Ausnahme der kirchlichen Nomenclatur, die zweite Lautverschiebung
mit. so daß sie heute von den allermeisten Deutschen nicht als Fremdlinge er
kannt werden.
Die nächste Zeit (700—1100) dient dazu, die aufgenommene christliche
und römische Kultur zu verarbeiten. Da trat in der mittelhochdeutschen Zeit
ein ganz neues Element in den Gesichtskreis. Die Kreuzzüge, die die längst
wieder seßhaft gewordenen Deutschen in den Strom des europäischen Lebens
reißen, bringen die überlegene Kultur, den Glanz und die Verfeinerung des
französischen Lebens in blendender Wirkung dem deutschen Geist näher. Das
Rittertum ist französischen Ursprungs, und mit ihm wurden höfisches Leben
und all die noblen Passionen in das deutsche Land verpflanzt. Spiel und Tanz,
Jagd und Turnier, Feinheiten in Wohnung, Küche, Bewaffnung und Kleidung
fanden an den Höfen Eingang und brachten wiederum eine Anzahl von Wörtern
mit, die allerdings zumeist mit dem Verfall der höfischen Sitte für immer ver
schwunden sind, weil sie nicht tief in die Volksschichten eingedrungen waren.
Andere leben indes noch heute in unserer Sprache; zu ihnen gehören Aben
teuer (avcuturc), Banner, blond, Tafelrunde, Turnier, Har
nisch, Koller, Lanze, Palast, birschen (franz. berscr mit dem Pfeil * 2
0 Ein sehr schöner deutscher Ausdruck war gotspellön d. i. von Gott erzählen
(vgl- Bei-spiel); gotspel ist das Gotteswort, Evangelium, vgl. engl. g08p6l.
2 ) Man vergleiche, wie die fleißigen Mönche, z. B- Kero, Notker Labeo, Williram
n. a. in vielen Fällen einfach möglichst wortgetreu übersetzten, wenn eigene Wörter nicht
zu bilden waren, z. B. armberzi = misericors meist mit der Vorsilbe de (be-arw-
berzi), Gewisien = conscientia, Mittler ----- mediator, ahd. bi-jiht Beichte — Con
fessio. Freier verfuhr man bei der Wiedergabe von paganns (heidan: beide =
paganus: pagus), discipulus ----- jungiro, apostolus = zwelfboto, propbetia — wis-
sagunga. Wie hat man dagegen mit tiefsittlichem und religiösem Gehalt erfüllt die
Wörter wie Glaube, Gnade, Buße, Heil, Sünde, Schuld, Reue, Heiland u. s. w.
->) Weise a. a. O.. S. 180.

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