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I. Abteilung. Abhandlungen.
Lernen dient und außerdem die drei vorhin genannten Vorteile bietet, so
kann es meines Erachtens keine Frage sein,, daß das weitere Einprägen nicht
unterredungsweise, sondern durch Lesen geschehen muß, — und dazu ist
ein Reallesebuch erforderlich.
Gleichwohl bildet das Lesen M der Schule erst die Anbahnung der
geforderten Verbesserung des Sprechunterrichts; denn die behauptete Ausdehnung
im mündlichen Üben wird dadurch nicht etwa schon erreicht, sondern erst
eingeleitet. Das Lesen in der Schule soll nämlich in erster Linie dazu
dienen, die Kinder in die richtige Betonung, (geeignetes Hervorheben der
Hauptsachen, rechten Leseton, sinngemäße Gliederung) hineinzubringen, und sie damit
in den Stand setzen, daß sie die Lektion richtig, geläufig und darum ohne
nennenswertes Opfer an Zeit nachlesen können. — Da nämlich allem, was zur
methodischen Behandlung mündlich geschehen muß, genügt wurde, so wird
durch dieses häusliche Lesen zunächst, wie wir sehen, der Realunterricht ge
fördert; er verliert nicht, sondern er gewinnt; der Erfolg wird größer.
Dasselbe gilt in noch weit höherem Maße vom Sprachunterricht.
Die mündliche Behandlung, die im Interesse des Realunterrichts ohnehin nötig
ist, liefert dem häuslichen Lesen einen deutlich zur Anschauung gebrachten Stoff,
an dem nun das Üben aufs erfolgreichste vor sich gehen kann.
Außerdem fällt dieser Vorteil dem Sprachunterrichte völlig gratis zu,
ohne daß derselbe auch nur eine Minute dafür opfert, und ohne daß eine andere
Lernaufgabe auch nur im geringsten etwas einbüßt.
Durch das Lesen an diesem Stoffe werden den Schülern die Sprachformen,
wie sie im sachlichen Lernbuche vorkommen, geläufig gemacht, sie prägen sich
dieselben dadurch am sichersten ein und zwar die richtigen, und zugleich machen
sie sich dadurch die Zierden der sprachlichen Darstellung zu ihrem Eigentum,
d. h. sie lernen, sich klar, bestimmt und kurz ausdrücken. So wird auch der
Forderung Magers genügt, welcher bekanntlich rät: Man mache ein gut ge
schriebenes Buch zum völligen Eigentum des Schülers, er spricht dann ebenso
gut, wie der Autor schreibt.
Nun sollen die Lektionen aus dem Realunterrichte womöglich auch eine
schriftliche Wiedergabe erfahren.
Wenn sich dieselbe nun bloß auf das Mündliche stützen muß, so können
die Schüler möglicherweise auf die sachliche Wiedergabe gerüstet sein, aber nicht
auf die sprachliche.
Bei diesen schriftlichen Arbeiten ist nicht nur an den sog. Aufsatz zu denken,
der gründlich durchgesehen werden kann, sondern auch an die Arbeiten, die auf
die Tafel oder ins Tagebuch gefertigt werden, bei denen eine genaue Korrektur
ausgeschlossen ist. Damit die Schüler wirklich Vorteil von diesen Arbeiten
haben, und man nicht schließlich darüber im Zweifel sein muß, ob der Schaden

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