Ist neben dem belletristischen Lesebuche ein Reallesebuch notwendig? 163
derselben in sprachlicher Beziehung nicht größer ist als der Nutzen, so muß die
Hilfe in der Vorsorge gesucht werden. Durch das Lesen aber prägen sich die
Schüler nicht nur die grammatische Form richtig und sicher ein, sondern auch
die stilistische und die Orthographie; die Sprachbildung wird besser, weil
richtiger.
Ist nun die schriftliche Arbeit angefertigt, so wird der Lehrer auch freie
mündliche Reproduktionen im Zusammenhange vornehmen lasten. Diese erfordern
dann aber wohl kaum noch eine weitere Vorübung von Seilen des Kindes.
Denn wenn Anschauung, frageweise Reproduktion, Lesen und schriftliche Übung
ihre Schuldigkeit gethan haben, so ist ein Memorieren geschehen, nicht ein wört
liches, aber ein judiziöses, und eben das ist gemeint.
Fehlt den unteren und mittleren stufen das Reallesebuch, so machen
sich dort, und zwar in bedeutend verstärktem Maße schon beim Sach lernen,
alle die Mängel geltend, die wir oben genannt haben. Noch viel schlimmer aber
ergeht es hier der Sprachbildung.
Aus den bereits angeführten Gründen ist es ohne Reallesebuch nicht
möglich, die Kinder erfolgreich im Lesen zu üben, während gerade hier, auf
der Unter- und Mittelstufe, die Stelle ist, wo die Kinder die erforderliche
Lesetechnik, V. h. eine tüchtige Lesefertigkeit und betontes Lesen, lernen
sollen. Sonderbar, während man auf der Oberstufe ein Hilfsmittel im Real
unterrichte für nötig erachtet, soll die Unterstufe tüchtiger, gewandter und ver
ständiger sein als jene, da sie ihr Ziel ohne Hilfsmittel erreichen soll. Befindet
sich dagegen ein Reallesebuch in den Händen dieser Stufe, so geschieht das
Lesen nicht bloß an schönsprachlichen Lesestücken, und daher wird die Übung
zunächst mannigfaltiger. — Ferner kann, da der Stoff anschaulich behandelt
worden ist, das Üben im Lesen ungehindert vor sich gehen, in der Schule und
zu Hause. — Weiter machen sich dann die Schüler schon auf dieser Stufe,
also von unten auf, die genannten Haupteigenschaften: „Klarheit, Bestimmtheit
und Kürze" zu eigen, — und endlich: Je mehr nun diese Stufen um des
sachlichen Lernens willen sich fleißig im Lesen üben, — und das ist gerade
die Aufgabe dieser Stufen, — desto größer wird die Lesefertigkeit, und je
größer die Lesefertigkeit wird, desto mehr Gewinn zieht der Sachunterricht aus
dieser Fertigkeit. So gewinnen beide um die Wette. Und neben der Sprach
fertigkeit ist auch für die orthographische und grammatische Sprachrichtigkeit aufs
beste gesorgt. So ergiebt sich ein Erfolg, der sich nicht aus einer Anzahl von
Summanden zusammensetzt, sondern jeder Posten übt auch seine vorteilhafte
Wirkung auf den andern aus, der Erfolg multipliziert, ja potenziert sich.
Daraus folgt: Falls die Unter- und Mittelstufe sich eines Reallesebuches
bedienen können, so werden die Schüler mit einem solchen Maße von Sach-
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