166 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
1. Hus in offener Fehde mit dem Papste und mit der Kirche.
a) Hus studiert die Schriften Wykleffs.
b) Er predigt gegen das Wunderblut zu Wilsnack.
„Wahrlich, wenn die Priester dem Volke Christi Worte predigten, viel mehr
als lügenhafte Wunder, so würde der gnädige Heiland die Priester selbst und
das Volk von dem schlechten Wege hinwegführen, von dem Wege der Sünde
und der Lüge. Es ist ein größeres Verdienst, die Wahrheit zu bekennen und
Gerechtigkeit zu üben, als in die Augen fallende Wunder hervorzurufen. Welcher
Priester seine Feinde liebt, Reichtum verachtet, die Herrlichkeit der Welt für
nichts hält, auch Verfolgungen um des Evangeliums willen geduldig leidet, der
vollbringt Wunder."*)
c) Die deutschen Studenten verlosten die Universität Prag.
6) Der Papst spricht über ihn und seinen Freund Hieronymus den
Bann aus.
e) Hus predigt gegen den Papst und die Bischöfe.
„Der Papst ist mein Feind und mein Richter, und auch die Kardinäle sind
meine Feinde, wie es sich aus ihren Briefen herausstellt, worin sie mich einen
Ketzer nennen, wiewohl sie mich weder je gehört noch gesehen haben. Man ist
auch sofort ihr Feind, ivenn man gegen den Geiz und namentlich gegen den
Verkauf der geistlichen Ämter predigt. — Ich höre sie wohl sagen: Will er für
seine Lehre mit dem Tode einstehen, so gehe er nach Rom, wie Christus nach
Jerusalem ging. Darauf antworte ich ihnen: Würde ich wissen, daß es Gottes
Wille ist, daß ich in Rom sterbe, oder wenn ich nur wüßte, daß ich damit
irgend welchen Nutzen schaffen würde, so ginge ich dahin." 1 2 )
2. Hus auf dein Konzil zu Kostnitz.
a) Er wird trotz des Geleitsbriefes des Kaisers Sigismund in den Kerker
des Dominikanerklosters geworfen. Dieser war ein enges, feuchtes Loch,
das neben der Kloake des Klosters lag. Hus wurde in dieser scheuß
lichen Höhle vom heftigsten Gliederreißen geplagt und infolge der giftigen
Dünste von schwerem Fieber ergriffen. Bon hier aus schreibt er Briefe
an seine böhmischen Freunde, die, unter einer Eßschüssel versteckt, den
Weg aus dem Kerker nahmen.
b) Hus bittet seine Freunde in einem Briefe um ihre Fürbitte.
„Allerliebste, ich bitte euch, fleht zu Gott dem Herrn für mich, auf daß
er mit mir sei, daß es mir vergönnt sein wird, in seiner Gnade zu beharren
bis zum Ende. Sein Wille geschehe, gefalle es ihm, mich zu sich zu nehmen
oder zu euch zurückzubringen. Genuß habe ich mächtige Hülfe von nöten, doch
ich weiß wohl, daß der Herr kein Leiden und keine Versuchung über mich kommen
läßt, außer zu meinem und zu eurem Besten." ^)
c) Er ermahnt in einem andern Briefe die Freunde zur Standhaftigkeit.
„Allerliebste, ich ermahne euch, nicht darüber zu erschrecken, daß meine
Bücher zum Scheiterhaufen verdammt sind. Erinnert euch, daß sie einst die
1) Schäfer, Kirchengeschichte.
2 ) Aus einer Predigt des Hus (Barkhausen und Hübner, Quellenbuch für Kirchen
geschichte).
s) Aus Mikowec, Briefe des Johann Hus (Barkhausen und Hübner, Quellenbuch).

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