Johann Hus.
167
Weissagungen des heiligen Jeremias verbrannt haben, welche ihn Gott der Herr
zu schreiben geheißen. Bedenkt, was uns der barmherzige Erlöser zur Warnung
gesagt hat, daß vor dem jüngsten Tage eine große Trübsal kommen wird, daß
auch die Auserwählten könnten irre geführt werden. Darum stehet fest! Von
diesem Konzile werden sie auseinander fliegen, wie Störche in alle Teile der
Welt. Sie haben ihr eigenes Haupt, den Papst, als einen Ketzer verdammt,
weil er Ablässe, Bistümer und andere Pfründen verkauft, und gerade die haben
ihn verurteilt, von denen viele ihre Stellen von ihm gekauft hatten. Ha,
Schande über euch, ihr Verkäufer, Käufer, Mäkler und Zwischenhändler! O
wäre es doch möglich, deren Bosheit zu schildern, wie ich es gerne wollte, damit
sich die treuen Diener des Herrn zu hüten wüßten! Amen!"*)
ä) Hus wird verhört, und man fordert dabei seine Widerrufung ohne Ver
teidigung.
e) Er bereitet in seinem letzten Briefe die Freunde auf seinen nahen
Tod vor.
„Gott sei mit euch! Ich sehe meinen Tod wieder aufgeschoben, wie auch
den Tod meines geliebten Bruders Hieronymus. Gott gab uns eine lange Frist,
damit wir uns bester unserer Sünden erinnern und sie ernstlicher bereuen, damit
wir an den schimpflichen und marlervollen Tod unsers Herrn Jesu Christi ge
denken und deshalb um so freudiger dulden mögen. Wir sollen daran denken,
wie die Heiligen durch viele Martern in das himmlische Königreich eingegangen
sind; einige hatte man in Stücke geschnitten, andere durchbohrt, andere gekocht,
geröstet, gekreuzigt, in Fesseln geschlagen. Geschrieben im Kerker und in Ketten,
in der Erwartung des Todes." * 2 )
3. Der Bekennertod des Hus.
a) Er betet auf dem Wege.
„Während sie ihn hinführten, betete Hus nichts anderes denn: „O Jesus
Christus, du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner!" Und da er
über das Brücklein kam und sah das Feuerholz und das Stroh, fiel er dreimal
auf seine Knie und sprach laut: „O Jesus Christus, du Sohn des lebendigen
Gottes, der du für uns gelitten hast, erbarme dich meiner!" 3 )
b) Er verteidigt sich zum letztenmal.
„Ehe seine Henker den Holzstoß anzündeten, ritten zu ihm Pfalzgraf Ludwig
und der Reichsmarschall Graf von Pappenheim und ermahnten ihn, von seinem
Irrtum abzustehen, seine Lehren und Predigten zu widerrufen. Da fing er an
zu sprechen: „Ich rufe Gott zu meinem Zeugen an, daß ich das, so sie mir
durch falsche Zeugen auf den Hals geladen haben, nicht gelehrt oder geschrieben
habe, sondern daß ich alle meine Predigten, Lehren und Schriften dahin gerichtet,
daß ich die Leute von Sünden abwenden wollte und in Gottes Reich führen."
Als die beiden das hörten, schlugen sie die Hände zusammen und ritten davon.
Bald zündeten die Henker das Holz an, und Hus sang: „Christe, du Lamm
Gottes, erbarme dich meiner!" Als er aber dasselbe zum dritten Male betete,
1) Mikowec a. a. O.
2 ) Mikowec a. a. O.
3 ) Ulrich Reichenthal, Chronik des Konstanzer Konzils (in Heinzes Quellenlesebuch
für Geschichte).

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.