Der Einfluß der Kultur auf die Entwicklung unserer Muttersprache. 17
jagen), Schalmei (frz. chalumeau), Flöte, Preis, Sold, Manier,
Buckel, fehlen (frz. faillir als Terminus für „beim Ansprengen mit der
Lanze vorbeistoßen"), Fei, fein, Plan (-- Ebene) u. a. Sogar so groß war
der französische Einfluß, daß man nach französischen Lehnwörtern mit der Endung
--je, z. B. partie, vilanie, deutsche Wörter bildete, wie jegerie, rouberie,
vischerie (nhd. -ei). Die Endung -ieren in halbieren, marschieren,
stolzieren, sodann -lei in mancherlei, vielerlei, das dem frz. loi
(lautlich mit -lei gleich) mit der Bedeutung von „Art und Weise" entsprach,
haben wir ebenfalls dem französischen Einfluß zu verdanken.
Einen bedeutsamen Aufschwung aller Kultur hatte das Wiedererwachen
antiken Lebens, die Renaissance, zur Folge. Die eingehende Beschäftigung
mit den alten Sprachen, sowie das Eindringen des römischen Rechtes öffneten
wiederum einer Menge von Fremdwörtern Thor und Thür. Legislatur und
Advokatur, Klienten und Delinquenten, Kausalnexus und
Kardinaltugend, Aula und Katheder, Dogmatik und Botanik,
addieren und subtrahieren u. s. w. hielten ihren Einzug in unsere liebe,
einfache Muttersprache. Und — um kurz zu sein — nach dem großen Kriege
nahm alsbald die Stelle des Lateins das Französische ein. Die Kultur unserer
gallischen Nachbarn drang zur Zeit Ludwigs XIV. zuerst in die obersten Stände
unseres Volkes ein, und wie bald kamen mit der französischen Sitte, mit der
ausländischen Tracht, mit der fremden Lebensweise neue, fremde Wörter „in
Mode". Galant, nett, kokett, charmant, brillant, nobel,
Chikane, Onkel, Tante u. v. a. finden Heimatrecht, viel mehr als vorher
die lateinischen Wörter; und Großvater, Großmutter, Übersetzungen des
frz. grand-pere, grande-mere, verdrängen das deutsche Ahne (ahd. ano).
Überaus reich sind die Neulinge auf dem Gebiete der Künste und Kunstfertig
keiten, besonders aber des Kriegs- und Staatswesens. Das Heer wird zur
Armee, die Heerschau zur Parade, das Fußvolk zur Infanterie;
man vergleiche ferner Brig ad e, Batterie, Baracke, Barrikade, Chef,
Adjutant. General u. s. w., von denen ein gut Teil heute wieder allmäh
lich zü Grabe getragen werden wird.
Später fanden durch die Beschäftigung mit der Musik, durch die
Handelsbeziehungen mit Italien auch Ausdrücke aus der Sprache dieses
Landes bei uns Eingang, z. B. Arie, Alt, Baß, Piano, Agio. Giro,
franko, Bankerott u. a. Aus den Gebieten des gesellschaftlichen und
politischen Lebens, besonders aber des Sports, drangen aus dem Englischen mit
den Kulturerrungenschaften zahlreiche Wörter ein, z. B. Bill, Meeting,
striken, starten, Handicap, Jockey, boxen, Beefsteak, Pudding,
Punsch, Dogge, Mops, Pinscher. Leider bildet man heute noch bei
Kulturfortschritten (Erfindungen) Benennungen aus griechischen und lateinischen
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