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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens re.
und fühlt, schaffen. Aber nun wird es sich fragen, ob das Verhältnis zwischen
Kirche und Schule, nachdem das zwischen Pfarrer und Lehrer geregelt ist, seine
richtige Lösung finden wird. Wird man beharren in dem doch so vielfach ver
breiteten Jndifferentismus, in dem Mißtrauen und der Verachtung der wahren
Kirche gegenüber? Ist nicht die Abneigung gegen die geistliche Herrschaft in
Schulangelegenheiten zugleich auch oft ein Widerstreben gegen das Amt an sich,
das da ist ein Geruch des Todes zum Tode und des Lebens zum Leben? Ein
treuer Seelsorger muß von Gericht und Gnade verkündigen. Ist Fühlung mit
solchen Pfarrern da, die das Wort vom Kreuz verkündigen als eine Thorheit
denen, die verloren gehen, als eine Gotteskraft denen, die da selig werden?
Hier bedarf es der Prüfung, ob das Eifern wider den gewiß im einzelnen oft
unwürdigen Stand nicht ein Widerstreben gegen die Botschaft ist, die er aus
zurichten hat. Steht wirklich das Ewigkeitsziel, das da den Menschen Gottes,
der da geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, vor Augen hat,
immer im Vordergründe allen Sinnens und Strebens? Hält mit der Viel
seitigkeit, mit der der Lehrerstand in Methodik, Psychologie und Pädagogik sich
fortbildet, gleichen Schritt die Pstege des innern Menschen durch Auferbauung
am Wort, an den Klassikern des religiösen Lebens, daß wir, wie Paulus sagt
Eph. 4, 13, alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes
Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei im Maße des voll
kommenen Alters Christi? Die Bibelkonferenzen am Niederrhein, jenes Lieblings
kind Dörpfelds, sind sie nicht doch vielfach im Keime stecken geblieben? Wo
dieser Sinn gepflegt wird, da wird die rechte Fühlung mit der wahren Kirche
und mit den echten Vertretern des geistlichen Amtes vorhanden sei, ja es wird
zu einer viel innigeren Gemeinschaft zwischen Kirche und Schule kommen, als es
unter der alten Ordnung möglich und denkbar war. Der Pfarrer wird in dem
Lehrer den Bruder und Freund ehren, der auch „Diener Christi und Haushaller
über Gottes Geheimnisse" ist und wird aus dem freien Trieb der Liebe der
Anwalt des Lehrers werden. Die Zeit ist ernst. Der neue Feind zieht herauf;
vergleiche die neuste Forderung der Socialdemokratie, den Religionsunterricht aus
der Volksschule zu entfernen. Wird die Lehrerwelt gewappnet sein, um diesen
Verrat an der Pädagogik, der zugleich „den Frühling aus der Schule" bannt, zu
verhindern? Hier müssen Lehrer und Pfarrer Schulter an Schulter marschieren.
Es wird auch darin zur rechten Einmütigkeit des Geistes kommen, wenn der
Lehrerstand sich vertraut zeigt mit den echt seelsorgerlichen Gedanken, die Dörpfeld,
der große Seelenpfleger des Lehrerstandes, besonders in seiner „Ethik" und seiner
„Heilslehre" niedergelegt hat und die doch schließlich alle darauf zielen, zur echt
reformatorischen persönlichen Heilsgewißheit zu führen. Dann naht vielleicht auch
die Zeit, von der Dörpfeld in der „freien Schulgemeinde" S. 255 spricht, wo
auch die Schulbeamten in aller Form Diener der Kirche werden, wo es für den
kirchlichen Schuldienst auch eine kirchliche Würde geben wird.
3. Es erübrigt noch ein Wort über die n a t i o n a l - s o c i a l e P a r t e i. Es wird
einem nicht immer leicht, ihr zu folgen. Gegen den Bann der materialistischen
Geschichtsauffassung, die die sittliche Verantwortung des Menschen aufhebt, wie
sie nun doch einmal in der socialdemokratischen Partei die herrschende ist und
wie sie sich trotz aller Wandlungen der Partei behauptet, wird oft nicht ent
schieden genug aufgetreten. Man möchte auch hier gerne hören von Sünde und
Gnade als den Mächten, die die Lösung des Welträtsels geben, von dem in der

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