Jakob Beyhl. Die Befreiung der Bolksschullehrer rc.
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Gnade Christi ruhenden versöhnten Gewissen, das zugleich die wirksamste Macht
ist zum Überwinden der socialen Nöte. Dörpfeld stand darin höher. Er hatte
sein festes S6<; /uoi nov gtwI Das eine Bein stand fest, drum konnte das
andre so kühnlich ausschreiten, und er rechnete sehr stark mit dem jenseitigen
Reiche, da doch erst eigentlich wahre Gerechtigkeit wohne und, daß darum auch
alles Streiten fürs Recht, wie das die national-sociale Partei mit so be
wunderungswürdiger Kühnheit gethan hat, doch nicht das Letzte ist. Die Liebe
baut auf!
Hier muß die Partei sich bilden lassen und auch von einem Socialpolitiker
wie Dörpfeld lernen. Wie kommt's, daß diese doch so jugendfrische Bewegung
in dem wichtigsten Jndustriebezirke am Niederrhein, im Zentrum der freien
bürgerlichen Selbstverwaltung in kirchlichen und Schulangelegenheiten, ja auch in
Kommunalangelegenheiten, noch keinen Boden hat? Ob nicht der oben angedeutete
Grund neben anderen mit die Ursache ist? Eine kräftige national-sociale Be
wegung gehört ins bergische Land und in die geistig verwandten Gegenden mit dem
echt freiheitlich gerichteten und doch im besten Sinne des Wortes konservativen
Volksschlag. Daß in den letzten Monaten die Partei auf dem Parteitage eine
entschiedene Schwenkung gegen den falschen Liberalismus gethan hat, ist ein gutes
Zeichen. Es gilt Annäherung an den „Konservatismus", für den die Begriffe
„Sünde" und „Gnade", die auf der Gewissensbasis beruhen, nicht etwa vor
übergehende Vorstellungen sind, die etwa für die Reformationszeit ihre Bedeutung
haben konnten, für uns aber überwundene Begriffe sind, sondern ewige Grund
principien des Menschenlebens und der Menschheitsgeschichte.
Und doch findet sich trotz der angedeuteten Schwächen wohl in keiner Partei
eine so klare Abgrenzung zwischen dem Autoritäts- und Freiheitsprinzip im staat
lichen Leben wie in dieser: Macht nach außen, und deshalb in Fragen des Landes
schutzes und des Rechtsschutzes Gebundenheit des einzelnen, in den vier andern
Arbeitsgebieten, Wohlstand, Gesundheit, Bildung und religiöses Seelenheil, freie
Entwicklung der vorhandenen Kräfte. Vergleiche dazu Dörpfelds Gesellschafts
kunde und den lichtvollen Abschnitt in der Leidensgeschichte „der religiös-ethische
Charakter der Volksschulen." Diese glückliche Formulierung des Parteiprogramms
macht die Stärke der Partei aus. Bei dieser Formulierung: Macht nach außen,
Freiheit im Innern — ist aber auch Hoffnung vorhanden für den Ausbau der
Genossenschaften, die Dörpfeld für die Bethätigung auf diesen Lebensgebieten als
unentbehrliche Zwischenglieder zwischen staatlichem Wirken und Einzelwirken erklärt.
Der Staat muß zwischen Privat- und Staatsrecht das freie Genossenschaftsrecht
einschieben. Dann erst kann von einer wirklichen Gesellschaftswissenschaft die
Rede sein. Dann aber kann auch erst fortgeschritten werden in dem Ausbau
der Familienrechte, der für die befriedigende Neuordnung des Verhältnisses
zwischen Pfarramt und Schulamt unentbehrlich ist. — Das ist's, weswegen man
mit großer Freude auf die junge aufstrebende Partei blicken kann.
Ich bin am Schluß. Die Ausführungen haben zeigen wollen, in welchem
Lichte, wie mir scheint, die Arbeit Beyhls gesehen werden muß. Sie ist in
höchstem Maße der Beachtung wert. Sie stellt dem Staat, der Kirche, der
Schule, den politischen Parteien neue Aufgaben. — Man möchte auch hier im
Blick auf die schmerzliche Drangsalszeit, auf die die Volksschule zurückzublicken hat,
wünschen und flehen, daß alle, die es angeht, die Zeichen der Zeit erkennen

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