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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
möchten, und die Zeit komme, da man statt der „Leidensgeschichte" eine Friedens
geschichte schreibe nach dem Motto: Ich habe Gedanken des Friedens und nicht
des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr harret. —
M. G. R.
Künstlerischer Wandschmuck für Schule und Haus.
Von Heinrich Möhn.
Es wird den meisten Lesern des Evangelischen Schulblattes bekannt sein,
daß die beiden Verlagsfirmen B. G. Teubner und R. Voigtlander in Leipzig
farbige Steindrucke von modernen Meistern herstellen lassen, die als Wandschmuck
für Schule und Haus gedacht sind. Die bis jetzt erschienenen Blätter machen
in der Mehrzahl einen ganz vorzüglichen Eindruck und lassen erkennen, daß es
sich um ein besonders für die Schule recht beachtenswertes Unternehmen handelt?)
Um nachdrücklich auf dasselbe hinzuweisen, möchte ich in den folgenden
Zeilen zunächst mit einigen Worten die Bedeutung künstlerischen Wandschmucks
für unsere Schulräume überhaupt berühren, um sodann einige Eindrücke wieder
zugeben, die ich bei der Betrachtung der Bilder gewonnen habe.
Aber zunächst ein paar Vorbemerkungen.
Es sind moderne Meister, die hier durch die Kunst zu uns reden, aber
moderne Meister im besten Sinne des Wortes. Der Ausdruck „moderne Kunst"
ist ja bekanntlich ein bißchen anrüchig geworden; man hat ihn zu einem Schlag-
wort geprägt, unter dem man sich auf der einen Seite eine neue große Höhen
kunst vorstellt, aus der andern so ziemlich das Gegenteil davon, etwa so viel wie
Afterkunst. Beides ist in dieser Allgemeinheit unbedingt einseitig und zeigt, daß
man der Sache nicht vorurteilsfrei gegenübersteht.
Wir wollen uns von keinem der Modernen die Freude am guten Alten
verderben lassen; wir wollen uns auch von keiner kritischen oder schaffenden
Größe, heiße sie, wie sie wolle, vorreden lassen, in den widerlichen Gebilden
einer krankhaft gesteigerten Phantasie, wie wir sie zu sehen ja nicht selten Ge
legenheit haben, läge der vielversprechende Anfang einer großen Kunst der Zu
kunft, aber wir dürfen auch auf keinen Fall blind sein gegen das wirkliche
Gesunde und Lebensfrische, was offenbar eine große Zahl neuerer Künstler zu
geben vermag. Prüfet alles und das Gute behaltet. Ich sollte meinen, dies
Wort des großen Apostels dürfte auch auf unserem Gebiete seine Geltung haben
und den Weg weisen, auf dem man zu einem sicheren, gegründeten Urteil ge
langen kann.
Soviel steht fest: wer nicht ernstlich bemüht war, sich möglichst vielseitig
auf dem Gebiete neuerer Kunst zu unterrichten und nicht bestrebt war, wenigstens
die bedeutendsten modernen Meister in ihrem Schaffen zu verstehen, der hat kein
Recht, in Bausch und Bogen alles zu verdammen, was mit moderner Kunst zu-
i) Kurz vor Weihnachten hatte der Kunst- und Buchhändler Schimmelpfeng zu
Mülheim a. d. Ruhr eine sehr interessante Kunstausstellung veranstaltet, in der die
genannten Bilder aufgestellt waren. Sie war besonders für den Pädagogen sehr lehr
reich, da er außer diesen Bildern auch Jugendschriften und Bilderbücher in greßer An
zahl vorfand. Von allgemeinem Interesse waren u. a. die Bruckmannschen Gravüren,
viele Blätter des Karlsruher Künstlerbundes und der Firma Breitkopf & Härtel in
Leipzig.

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