Künstlerischer Wandschmuck für Schule und Haus.
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sammenhängt. Ein vorurteilsfreies Betrachten, das man dem Künstler und sich
selbst schuldig ist, ist die notwendige Vorbedingung für eine richtige Stellung
nahme.
Doch treten wir der pädagogischen Seite der Sache näher.
Wir kennen den Ruf, der seit Jahren erhoben wird: Mehr Kunst für das
Volk! Mehr Kunst für die Schule! Der Ruf hat das lebhafteste Echo ge
funden und wird heute allerorten mit lauter Begeisterung wiederholt.
Täuschen wir uns nicht! So etwas kommt nicht von ungefähr. Keine
Wirkung ohne Ursache. Es soll ja nicht im mindesten bestritten werden, daß
lächerlich übertriebene Forderungen gestellt werden und schrecklich viel Phrasen
mit unterlaufen; aber das wird sich mit der Zeit schon legen. Was an der
überschäumenden Begeisterung auf Augenblicksstimmung zurückzuführen ist, wird
im Laufe der Jahre ruhiger Überlegung weichen müssen, was aber auf richtiger
Erkenntnis thatsächlich bestehender Mängel beruht, das soll und darf nicht be
kämpft werden.
Werfen wir nur einen flüchtigen Blick rückwärts. — Ist die Arbeit in
unsern Schulen nicht oft, recht oft, entsetzlich nüchtern gewesen? Neigte man
nicht dahin — zweifellos in der besten Absicht — den Kopf mit Gedächtniskram
anzufüllen? Und hat man nicht die freien Bewegungen des Herzens geradezu
künstlich unterdrückt? Es ist nicht zu leugnen: nach der Seite der rein intellek
tuellen Bildung ist zuviel geschehen, weniger wäre mehr gewesen.
Und nun kommt der Ruf nach Befreiung, nach Befreiung von einseitiger
Verstandesbildung. Jst's da ein Wunder, .daß er mit heller Begeisterung auf
genommen wird? Es konnte gar nicht anders kommen, es mußte so kommen
in einer Zeit, wo sich die Vernachlässigung der Gemütsbildung in mehr als einer
Hinsicht in betrübender Weise bemerkbar macht.
Die Kunst ist natürlich, wie jeder weiß, nicht das einzige Mittel, das hier
helfen kann. nicht einmal, wenn wir an den Religionsunterricht denken, das vor
nehmste, aber sie ist ein Mittel, und leider hat man die intensive, nachhaltige
Wirkung desselben bisher bedeutend unterschätzt.
Hier ist nicht der Ort, auf die in Rede stehende pädagogisch-ästhetische Be
wegung näher einzugehen/) aber sie mußte mit einigen Worten kurz berührt
werden, um die Forderung, die sich auf eine größere Berücksichtigung des künstle
rischen Wandschmucks in unsern Schulen bezieht, auf ihren eigentlichen Ursprung
zurückzuführen.
Wenden wir uns also zu dem Wandschmuck selbst.
Was haben wir von ihm zu halten? — Man kann ihn entbehren, hat
man kurz gesagt. Gewiß, das kann man; es geht auch ohne ihn und wird
wahrscheinlich in vielen Schulen noch recht lange Zeit ohne ihn gehen müssen,
wenigstens, soweit nicht gerade das Allerbilligste in Betracht kommt. Aber damit
ist die Sache nicht abgethan, denn die Frage ist nicht, ob die Bilder entbehrlich
sind oder nicht, sondern, ob sie mit als ein Faktor eingestellt werden können bei
der Weckung und Bildung ästhetischen Interesses.
Mit logischen Beweisen läßt sich hier freilich nicht viel anfangen, da bei
der Beantwortung dieser Frage individuelles Empfinden und persönliche Erfahrung
*) Die gediegene Arbeit Achingers in Nr. 11 des Ev. Schulblattes vom vorigen
Jahre bietet eine vortreffliche Grundlage für eine richtige Beurteilung der Bewegung.

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