176
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
für den Einzelnen ausschlaggebend sein werden. Was nützt es denn, daß man
jemandem auseinandersetzt, ein Bild müsse auf die Schüler diese oder jene
Wirkung haben? Er wird es nicht glauben, wenn er nie etwas Ähnliches an
sich selbst verspürt hat. Und andererseits: wer Berständnis für gediegene Kunst
werke hat, der wird die Bedeutung des Wandschmucks in unseren Schulräumen
auch ohne lange Auseinandersetzungen zu schätzen wissen.
Darum nur ein kurzer Hinweis auf die persönliche Erfahrung.
Hat nicht jeder, der ideales Denken und Kühlen im Getriebe des Tages
nicht gänzlich verloren hat, es immer wieder an sich selbst erfahren können, daß
ein sorgfältig ausgeschmücktes Heim eine Quelle stillen Genießens und reiner
Freude ist? Niemand fühlt sich recht wohl, wenn ihn beständig kahle Wände
umgeben. Gute Bilder sind, wie gute Bücher, stille Freunde, die nachhaltig auf
uns einwirken, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewußt sind.
Und wer möchte bezweifeln, daß auch die Jugend für die Sprache dieser
Freunde empfänglich ist? Ein gediegener Wandschmuck im Schulzimmer wirkt
durch seine stete Gegenwart auf Auge und Gemüt der Schüler ein und erzieht
den Blick für das wahrhaft Schöne. Nur dies eine Moment der stillen Wirkung
wollen wir hervorheben und ganz davon absehen, daß sich auch im Unterricht
nicht selten Gelegenheit finden wird, das eine oder andere Bild zu verwerten.
Auf das Haus können wir uns in dieser Hinsicht kaum verlassen, denn
gute Kunst ist noch lange nicht Gemeingut des Volks geworden, und wenn wir
es könnten, wären wir deshalb immer noch nicht der Pflicht überhoben, auch das
Unsrige zu thun.
Die hier zur Besprechung stehenden Bilder sind Original-Lithographien.
Sie sind also nicht, wie die gewöhnlichen Steindrucke, von einem Berufslithographen
nach einer Vorlage entworfen, sondern vom Künstler selbst auf den Stein ge
zeichnet, was zweifellos ein großer Vorzug ist, denn sie stellen, wie etwa das
Ölgemälde, eigenes Schaffen des Künstlers das, nur mit dem Unterschied, daß
hier eine Vervielfältigung durch den Druck hinzukommt. Darum reden die
Blätter auch unmittelbar die Sprache des Künstlers, und es geht nichts von der
Eigenartigkeit und Geschloffenheit künstlerischen Schaffens verloren.
Man könnte hier die Frage auswerfen, ob es schon für die Jugend von
besonderer Bedeutung sei, wenn sie mit Originalbildern bekannt gemacht wird.
Thun nicht gute Reproduktionen dieselben Dienste?
Es liegt auf der Hand, daß geeignete Reproduktionen nach wie vor ihren
Wert behalten, und es wäre geradezu Thorheit, sie im Blick auf diese Blätter
auf einmal geringer einschätzen zu wollen. Aber warum sollte sich die «schule
die Vorzüge des Originalbildes entgehen lassen, wenn es so gediegen ist wie hier,
und wenn besonders auch der Preis kein Hindernis mehr zur Beschaffung ist?
Wir haben bis jetzt so gut wie gar keine farbigen Bilder in der Schule
gehabt, die unmittelbare Kunst darstellten; hier werden sie uns geboten. Es
liegt im Interesse der Schule, zuzugreifen und sie, wo es geht, neben guten
Reproduktionen zu berücksichtigen. Das Bessere ist hier einmal nicht der Feind
des Guten.
Und noch ein Vorzug.
Die Blätter bieten in der Mehrzahl echte Heimatkunst. Sie reden vom
deutschen Volksleben, von der Schönheit der heimischen Landschaft und von
Zeugen großer Vergangenheit. Sie reden eine schlichte, ungekünstelte Sprache,

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.