Künstlerischer Wandschmuck für Schule und Haus. 177
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eine Sprache, die das Volk versteht, und die jedem zu Herzen dringt. Und
diese Sprache ist bald markig realistisch, bald innig und gemütvoll, immer aber
fühlt man heraus, daß hier Künstler gestaltet haben, die ihre Heimat lieben,
die mitten im Volksleben stehen und die Regungen der Volksseele in ihrem
Innersten mitfühlen. — Das ist ein Vorzug, den besonders ein Pädagoge nicht
hoch genug anschlagen kann.
Doch wenden wir uns nun zu einzelnen Blättern aus der Sammlung, um
sie etwas näher zu betrachten.
Zwei derselben führen den Beschaller in die winterliche Landschaft: Bach
im Winter von Franz Hoch und Krähen im Schnee von Otto Fikentscher.
Auf dem ersten sehen wir eine ebene schneebedeckte Landschaft, durch die sich
langsam ein Bach hindurchwindet. Sein Spiegel erzittert leise unter dem Hauch
der darüber streichenden Winterluft. Welches Farbenspiel im Wasser, in dem
sich schlanke Stämme spiegeln, die am Ufer in losen Gruppen stehen und mit
ihren feinen, schwanken Zweigen eng ineinander greifen! — Das ist liebe
volles Auffassen schlichter Schönheit. — Was kann doch ein stilles Plätzchen,
das so gar nichts Malerisches im landläufigen Sinne des Wortes aufzuweisen hat,
dem Auge und Herzen bieten!
Wir blicken weiter in die Ferne über menschliche Wohnungen hinweg, die
sich kaum aus der schneeüberhäuften Landschaft herausheben, bis hin zu dem
herrlich erglühenden Horizont, dem einige duftige Wolkenzüge vorgelagert sind.
Eine wunderbare Ruhe atmet diese schöne, stille, weite Winterlandschaft,
eine befreiende Ruhe; man fühlt es, daß man hier allein ist, allein in der
ruhenden, schlummernden Natur.
Und das andere Bild. Wieder Winterstimmung! Zwei Krähen hocken
verloren und träumerisch im tiefen Schnee. Nirgends ein grünes Fleckchen.
Kaum ein entlaubter Baum oder Strauch, wo sie ein Ruheplätzchen finden
könnten. — Verloren? — — Wie sie uns fragend anschauen! Wo ist das
frisch gepflügte Ackerfeld? Wo blieb die laute Schar der Genossen? Soll das
weite Feld ihr Grab werden? — Furchtbar streng ist die Herrschaft des Winters.
Aber der Vater im Himmel ernähret sie doch.
Eins der wirksamsten Bilder ist das Hünengrab von Karl Biese.
Auf einem Hügel erheben sich einzelne Felsenmassen, und darüber ruhen
riesige Steinblöcke, die dem spärlichen Baumwuchs, der sich zwischen den Felsen
durchdrängen will, kaum einen kleinen Raum zur Entfaltung übrig lassen. —
Wie fegt der Sturm darüber hin! Und wie biegt er die wetterharten Äste!
Es ist, als ob seiner Gewalt alles folgen müsse, alles, selbst die langgezogenen
Wolkenstreifen am gelblich leuchtenden Horizont, alles — bis auf die gigantischen
Felsstücke, die hier vor uns liegen und die Stelle bezeichnen, wo — vielleicht —
vor Jahrtausenden gefallene Helden begraben wurden, denen man ein unver
wüstliches Denkmal errichten wollte. Wie mancher Sturm mag in den vielen
Jahrhunderten oder Jahrtausenden darüber gegangen sein! Aber sie trotzten
Sturm und Wetter.
Überaus stimmungsvoll sind die kräftigen, satten Farben aufgetragen, wie
überhaupt das ganze Bild in der Stimmung eine seltene Fülle und Geschlossen
heit zeigt.
Und weiter. Mondaufgang von Gustav Kampmann.
Ein trautes Dörflein liegt am Fuß sanft aufsteigender Bergrücken. Es ist

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