Künstlerischer Wandschmuck für Schule und Haus. 179
In seiner frischen, vollen Farbenwirkung erinnert es lebhaft an das Hünengrab.
2. Pfälzischer Bauernhof von Albert Haueisen.
Wieder der Landmann im Schweiße feines Angesichts! Der Sommer hat
ihm reichen Segen gebracht; die Garben sind voll und schwer, und er benutzt
die sonnigen Tage zur Einfahrt. — Saure, mühevolle Arbeit! — Aber Segen
ist der Mühe Lohn.
O wer das nicht gesehen hat,
Der hat des nicht Verstand.
Man trifft Gott gleichsam auf der That —
Mit Segen in der Hand. (Claudius).
Und auch Segen im Hause. Hier hantiert die Bäurin emsig am Waschfaß,
und neben ihr sitzt die Tochter und versorgt aus ihrem Schoß das Schwesterlein.
Wie nützlich sich auch dort der kleine Bursche macht, der eifrig mit dem un
ruhigen Vieh beschäftigt ist!
Ich habe viel, das mein gehört,
Viel Gutes hin und her. —
Da droben! hast es mir beschert;
Beschere mir noch mehr. (Cl.)
Die Farben sind etwas matt, weshalb das Bild am besten aus unmittel
barer Nähe wirkt.
Ein Blatt von Franz Hoch führt uns ins Gebirge: Morgen im Hoch
gebirge.
Nichts als Felsen und Wasser und Himmel. Aber das Licht! — Der
junge Tag steigt aus den Wolken und läßt die kahlen Felsen in wunderbarer
.Farbenpracht erglühen, und der krystallklare Gebirgssee nimmt die Strahlen auf
und malt das Bild in doppelter Schönheit aus seinen regungslosen Spiegel.
Hier hat man es vor Augen, was das Licht aus einer Landschaft zu machen
vermag.
Ein prächtiger Lichteinsall fesselt uns auch bei einer Rheinlandschaft. Es
ist der Rhein bei Bingen von Hans von Volkmann.
Genau dieselbe Landschaft, fast von demselben Ort aus betrachtet, wird uns
in einem Bild aus der sür den geographischen Unterricht bestimmten Lehmannschen
Sammlung vorgeführt, die in pädagogischen Kreisen allgemein bekannt sein dürfte.
Bei einem Vergleich der beiden tritt deutlich der Unterschied zwischen Unterrichts
mittel und künstlerischem Wandschmuck hervor. Das Lehmannsche, für den
Unterricht bestimmte Bild zeigt die Landschaft schlechthin, das von Volkmannsche
aber führt sie uns vor im Glanz des Sonnenlichts.
Wie die Bäume und Sträucher links in prächtiger Beleuchtung stehen!
Wie die Konturen der Baumkronen glänzen! Wie das Licht die dunklen Stämme
scharf abhebt! — Und der Sonnenglanz liegt auch über dem Städtchen dort
unten und auf dem Rhein, dem herrlichen Rhein, der sich in weitem Bogen um
die gegenüberliegenden, in mattgelbem Licht glänzenden Weinberge herumzieht,
während die bläulichen Höhen links im Schatten liegen.
Hier fühlt der Beschauer die zauberhafte Wirkung des vielbesungenen Rhein
stromes, und hier versteht er Simrocks „Warnung vor dem Rhein:"
Dich bezaubert der Laut, dich bethört der Schein,
Entzücken faßt dich und Graus.
Nun singst du nur immer: Am Rhein, am Rhein!
Und kehrst nicht wieder nach Haus.
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