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I. Abteilung. Abhandlungen
Wortstämmen; es ist jedoch nicht zu verkennen, daß durch den Einfluß der
germanistischen Wissenschaft und der Sprachgesellschaften der Deutsche es allmäh
lich lernt, bei neu auftretenden Kulturerrungenschaften eigene deutsche Ausdrücke
zu bilden; ich erinnere an Sternwarte, Fernsprecher, Draht
bericht u. a.
* *
-r-
Wenn ich nun zu dem zweiten Teil der Abhandlung übergehe, so könnte
ich versucht sein, neben der Anführung vieler Beispiele auch auf die Entstehung,
also den Nachweis des Zusammenhangs zwischen der Kulturerscheinung und dem
sprachlichen Erzeugnis genauer einzugehen. Leider kann dies hier nur kurz und
andeutungsweise geschehen?)
Eine Menge von Redensarten verdankt dem Götterglauben unserer
Vorfahren ihre Entstehung. Die Götter wurden zwar von den christlichen
Sendboten zu Teufeln gestempelt, vor allem hatte dies Geschick Donar, auf
dessen roten Bart das Sprichwort hinweist: „Roter Bart — Teufels
Art." Etwas zum Donner (Donar) oder zum Teufel gehen ist
identisch. Fluchworte wie „Daß dich der Bock (Donars) schänd' (Hans
Sachs), daß dich der Bock stoß', Gott Strambach d. i. Gott straf' den
Bock, ferner Donnerwetter, Donnerkeil (Keil d. i. Donars Hammer),
dal di de Hamer sla, da schlage doch der Teufel drein, weisen
sämtlich auf den Donnergewaltigen hin. Auch Wotan, der Führer des Nacht
heeres, des wütenden (d. i. Wotans) Heeres, wird zum obersten Hölleninsassen
und holt die Seinigen zum nächtlichen Ritt, daher sagte man: Schere (eigentl.
schare) dich zum Teufel, der Teufel soll dich holen u. a. An die
Thätigkeit der Nornen erinnern die Redensarten: das ist ihni nicht au
der Wiege gesungen, sein Leben hängt an einem Faden, den
Lebensfaden abschneiden. Auch der Altweibersommer ist nach ihnen
genannt. — Der Glaube an allerlei Geister, die dem Menschen freundlich oder
auch feindlich gesinnt waren, hat in vielen Ausdrücken und Redensarten Spuren
hinterlassen, z. B. der Alp (mhd. alb, agls. aelf, davon nhd. Elf) befällt
einen, es liegt mir wie ein Alp auf der Brust, von einem Alp
befreit sein. Diese bösen Wesen nennt man nicht gern, man weist daher in
banger Scheu nur auf sie hin mit „es", z. B. es schüttelt mich, es hat
ihn angefallen, oder: er hat einen Anfall gehabt, er ist an
gegriffen, sieht angegriffen aus. Sie sind die Ursache des Hexen-
i) Man vergleiche hierzu Paul, Grundriß, Bd. III; Diefsenbacher, Deutsches
Leben im 12. Jahrhundert, Leipzig; Blumschein, Streiszüge durch unsere Mutter
sprache, Köln, S. 140ff.; Weise a. a. O., S. 88ff.; Schräder, Der Bilderschmuck
der deutschen Sprache, Weimar; Hildebrand, Vom deutschen Sprachunterricht,
Leipzig; Richter, Deutsche Redensarten, Leipzig.

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