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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Wünsche der Lehrerschaft dadurch erfüllt worden seien. Nach drei Richtungen
hin sei eine Weiterentwicklung wünschenswert: 1. Die Präparande müsse zur
allgemeinen Bildungsanstalt, zur ..Höheren Bürgerschule", erweitert werden, ein-
mal, um die Lehrerbildung aus ihrer bisherigen Isolierung herauszuheben, und
zum andern, um die Berufswahl hinauszuschieben. 2. Die Trennung zwischen
allgemeiner und Fachbildung sei schärfer durchzuführen und erstere ganz der
„Höheren Bürgerschule" zuzuweisen, die um ein bis zwei Jahreskurse erweitert
werden müsse. 3. Den Volksschullehrern müsse unter gewissen Bedingungen zur
Erweiterung ihrer Bildung der Besuch der Universität ermöglicht werden. Mit
akademisch gebildeten Volksschullehrern seien dann in erster Linie die Seminar
lehrer- und Schulinspektorstellen zu besetzen. — Die Umscha u" (Herausgeber
Dr. Bechthold) stellt die neuen Lehrpläne mit den Zielen der anderen höheren
Schulen in Vergleich und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: In Religion,
Zoologie und Botanik kann im Seminar mehr erreicht werden; in Deutsch,
deutscher Geschichte und Zeichnen sind die Ziele etwa gleich hoch, in alter Ge
schichte und fremden Sprachen bedeutend niedriger. Dabei ist aber nicht zu
unterschätzen, was im Seminar in der Musik, auch in der Theorie, gefordert
wird. Weiter kommt hinzu die Fachbildung: Psychologie, Logik, Unterrichts- und
Erziehungslehre, Geschichte der Pädagogik und die Unterrichtspraxis. — In
einem Aufsatze der „Zeitschrift für Schulgeographie" (1902, Heft 1)
stellt Oppermann fest, daß die Geographie in keiner höheren Lehranstalt so ge
pflegt werde wie im Seminare.
Über Trüpers Schrift: F. W. Dörpfelds Sociale Erziehung in
Theorie und Praris (den Lesern des Evangelischen Schulblattes angezeigt im
12. Heft des vergangenen Jahrganges) äußert sich Prof. Dr. Natvrp in der
„deutschen Schule" (1902. 2. Heft). Angesichts der lebhaften Versuche ge
wisser pädagogischer Zeitschriften, ihren Lesern Dörpfeld als den zwar wohlmeinenden,
aber konservativ pietistisch beschränkten pädagogischen Kleinkrämer, über den die
neuere Zeit jedenfalls längst hinaus sei, hinzustellen, berührt es sehr angenehm,
an der genannten Stelle Dörpfeld trotz mancher Verschiedenheit in den Grund-
anschauungen gewürdigt zu sehen. Möchte sich jene kleine Presse, die selbst die
Dinge nur vom Standpunkte ihres Parteifanatismus aus beurteilt, daran ein
Beispiel nehmen, möchte sie daran lernen, wie man auch über den Andersdenken
den würdig und subjektiv gerecht sprechen kann/ —
Natorp bezeichnet Dörpfelds Schrifen als im berechtigtsten und kraftvollsten
Sinne herausfordernd, sie seien in ungewöhnlichem Grade erweckend, einschneidend,
zur Kritik zwingend. Er habe das große Bedienst gehabt, daß er die Erkennt
nis Platos und Pestalozzis, daß die Erziehung auf einer Wechselwirkung von
Individuum und Gemeinschaft beruhe, mit bemerkenswerter Klarheit grundsätzlich
vertreten, in manchen Einzelheiten auch durchgeführt und praktisch bethätigt habe
in einer Zeit, wo dieselbe sonst allgemein in Vergessenheit geraten sei. Es wird
vollauf anerkannt, daß Dörpfeld der Pädagogik von neuem die Aufgabe gestellt
habe, in den Kreis ihrer Wirksamkeit außer der Schuljugend auch die Erwachsenen
einzuschließen, daß er die Erziehung als eine Aufgabe aller socialen Gemein
schaften : der Kirche, des Staates, der freieren Kulturverbände aufgefaßt habe:
„Es wird uns, so sagt er, stets zur Genugthuung gereichen, aus diese Stellung
nahme eines der besten, freilich auch freisten Hebartianer alle die hinweisen zu

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